Katalog
Zwei Bücherverbrennungen i n Dresden 79 tionen an den Hochschulen entließ das Sächsische Ministerium für Volksbildung systematisch unliebsame Hochschullehrer. 4 Während dieser Kampagne wurden Vergehen im nationalsozia- listischen Sinne am sogenannten »Schandpfahl«, der am 3.Mai 1933 amBismarckplatz errichtet wurde, öffentlich gemacht. Mit demGesang des Horst-Wessel-Liedes endete die Errichtung des berüchtigten Bauwerks. 5 Am 6. Mai 1933 erfolgte der Aufruf »Weg mit der Schundliteratur!« durch das Hauptamt für Aufklärung und Werbung der Studentenschaft der TH Dresden. Die Bücher konnten in der Lan- desbibliothek, der Stadtbibliothek, in der Bücherei des Pädagogischen Institutes und dem Stu- dentenhaus abgegeben werden. 6 Am Abend des 10.Mai 1933 versammelte sich die Studenten- schaft, teilweise in SA- und SS-Uniformen, im Studentenhaus. Ebenso anwesend waren Rektor Oskar Reuther, der seit 1. März Mitglied der NSDAP war, eine große Zahl Professoren sowie Abgesandte von Behörden und verschiedene Pressevertreter. 7 Präsent war auchWill Vesper, der in seiner Funktion als Gauobmann des NS-Reichverbands Deutscher Schriftsteller seine imVorfeld schon oft publizierte und stark antisemitisch geprägte Rede »Zeitwende in der deutschen Dichtung« hielt: »[…] Wie inWissenschaft, Politik undWeltanschauung stehenwir auch imdeutschen Schrift- tum an einer Zeitwende von entscheidender Bedeutung: Es dämmert das Ende einer zerstöre- rischen Asphaltliteratur, die alle Bindungenmenschlicher Gemeinschaft aufzulösen versuchte, die niedrigsten Instinkte entfesselte und vielfach fremdstämmigen, immer antideutschen und im letzten bolschewistischen und nihilistischen Geistes war, und deren giftige Rausch- und Betäubungsmittel das deutsche Volk allzulange und allzuwillig einnahm. […] Damals begann die verderblichste und folgenschwerste Spaltung in unserem so vielfältig gespaltenen Volke, die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 an der Dresdner Bismarcksäule
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