Katalog

118   Bi ldung und (Pseudo-)Wissenschaft »Wie macht man dem Menschen-Tier ein Gedächtnis? Wie prägt man diesem teils stumpfen, teils faseligen Augenblicks-Verstande, dieser leibhaften Vergeßlichkeit etwas so ein, daß es gegenwärtig bleibt?« 1 Standortbestimmung Die Anschrift NPEADresden-Klotzsche existiert so nicht mehr. Heute residiert auf demweiträu- migen, denkmalgeschützten Gelände, jetzt Königsbrücker Landstraße 2 –4, die DGUV Akademie Dresden  2 mit ihren Schulungs-, Beratungs- und Forschungseinrichtungen zumThema Gesund- heits- und Arbeitsschutz.Noch immer erblicken dort derzeitige Besucher ein imposantes Gebäude­ ensemble, das nichts von seinem architektonischen Charme verloren hat. Welche wechselvolle Geschichte dieses Terrain erlebte, ist äußerlich nicht zu erkennen. Hier aber manifestiert sich das Zeitalter der Extreme, offenbaren sich Glanz und Elend des vorigen Jahrhunderts: Als Lan- desschule Dresden von Heinrich Tessenow und Oskar Kramer im Geist der Reformbewegung entworfen und von 1925 bis 1927 errichtet,wurde sie bereits 1934 in die einzige sächsische Natio­ nalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA) umgewandelt. 3 Nach Kriegsende dienten die Gebäude gleichzeitig dem Stab der 11. Gardepanzerdivision der Sowjetarmee bzw. der GUS-Truppen bis zum Abzug 1992 und für eine sowjetische Grundschule als Standort. Vor allem diese Nutzung wird vielen Dresdnern noch gegenwärtig sein. Warum aber sollten wir uns gerade hier der schwierigen Geschichte, der Zeit des National- sozialismus, stellen? Gerade dieser Ort erinnert daran, wie Menschen manipuliert wurden und sich manipulieren ließen, zeichnet Kontinuitätslinien auf, die es zu benennen gilt. Das Erbe Am 20. April 1933, dem Geburtstag Adolf Hitlers, rief der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Bernhard Rust die erstenNPEA aus. In Plön, Köslin und Potsdamwurden dafür Staatliche Bildungsanstalten, ehemalige Kadettenanstalten, genutzt. Auch die sächsische NPEA konnte auf eine ähnliche Traditionslinie zurückgreifen: Am 14. April 1920 im ehemaligen Kadettenhaus des Sächsischen Kadettenkorps als Landesschule Dresden gegründet, wurde sie am 1. April 1934 in eine Staatliche Nationalpolitische Erziehungsanstalt umgewandelt. Die Rudolf-Schröter-Schule  4 sollte als höhere Schulemit Schülerheimden kommenden Führernach- wuchs erziehen, denn führende Schulpolitiker sahen in der Internatserziehung den aussichts- reichsten Weg, dieses Ziel zu verwirklichen. Die Nationalpolitische Erziehungsanstalt in Dresden-Klotzsche Hanka Blesse

RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1