Katalog

Di e Nationalpolitische Erzi ehungsanstalt i n Dresden-Klotzsche   119 »Was einst in diesen preußischen Kadettenanstalten gepflegt und erzogen worden war, das sollte wieder lebendig werden: der soldatische Geist mit seinen Merkmalen: Mut, Pflichtbe- wußtsein und Schlichtheit.« 5 Unter Walter Kleint, ihrem ersten Anstaltsleiter, der Form nach noch der Bündischen Jugend verpflichtet, veränderte sich mit seiner Ablösung durch Herbert Barth  6 , einen Offizier des Ersten Weltkriegs und Mitglied des Freikorps, vollends aber 1941 mit der Übernahme der Schule durch das Reich die Atmosphäre an der Schule: »Leider war Barth […] zu wenig bündisch […]. Ihm imponierte zu sehr der preußische Schnitt […] Barth übernahm schrittweise das Äußere der preußischen Anstalten«  7 . Dass diese Erziehungsgrundsätze schon auf fruchtbaren Boden gefallen waren, kann auch der Mythos von der Landesschule als Reformschule, von ehemaligen Lehrern und Schülern gestreut, nicht überdecken. Nur in Ansätzen reformpädagogisch, wurde an ihr noch immer am überkommenen autoritären Erziehungskonzept der alten Kadettenschule festgehalten. Solda- tische Zucht, ein nationalistisch-vaterländischer,militärerzieherischer Unterricht, die hierarchi- sche Organisationsstruktur sowie die Übernahme eines Großteils der Lehrer- und Schülerschaft des Kadettenkorps sind dafür beredte Beispiele. 8 Auch der Rückgriff auf die pädagogischen Konzepte von Hermann Lietz für seine Landerzie- hungsheime, für die Landesschule und NPEA gleichermaßen geltend, hinterlässt widersprüch- liche Regungen: Sein Nationalismus und die patriarchalischen Strukturen seiner Heime fanden ihre Anhänger auch in Dresden-Klotzsche. 9 Die sächsische Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Rudolf-Schröter-Schule)

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