Katalog
124 Bi ldung und (Pseudo-)Wissenschaft bescheidenen Ansprüchen ungefähr 70 RM«. 8 Die Volksschullehrer verfügten über ein geringes soziales Prestige, zumal die HJ sie zusätzlich verächtlichmachte. Ein Jahr studierten die zukünf- tigen Volksschullehrer gemeinsammit den Studenten des höheren Lehramts, umeine »einheit- liche politisch-weltanschauliche Ausrichtung« zu erhalten. 9 Doch gerade dieses teilweise gemeinsame Studium führte zu Unfrieden, da zwischen beiden Laufbahngruppen im späteren Berufsleben deutliche Gehaltsunterschiede bestanden, was den Volksschulstudierenden auf- stieß. In Dorfschulen zog es noch weniger Absolventen als in die Stadt, weshalb dort der größte Lehrermangel bestand. Alle Versuche, über schnellere Beförderungen, Zulagensysteme oder Ähnliches Anreize für den Schuldienst auf dem Land zu schaffen, blieben erfolglos. Auch die niedrigen Zulassungsvoraussetzungen, Abitur und die geforderte Betätigung in der HJ, änderten daran nichts, sodass man schließlich sogar in Betracht zog, Lehrer für acht bis zwölf Jahre zwangsweise für Landschulen zu verpflichten. 10 Unterdessen blieb Friedrich Schreiber bis 1938 Direktor der Dresdner Hochschule. Am 10.Mai 1940 übernahmder bisherige Stellvertreter Richard Vogel das Direktorat. Zu dieser Zeit umfasste die Hochschule fünf Abteilungen: Volksschule, höheres Lehramt, landwirtschaftliche Haushal- tungskunde, technische Fachlehrerinnen (Lehrgänge für Hauswirtschaft, Sport u.Ä.) und Gar- tenbaulehrer. 11 Die Abteilung höheres Lehramt wurde 1941 aufgelöst. Mit der Gründung der eigenständigenHochschulewaren Lehrkräfte übernommen und neue eingestellt worden. Einige der Dozenten und wissenschaftliche Hilfsarbeiter der Hochschule sind heute noch bekannt, wie die Volkskundler Emil Lehmann und Karl-Ewald Fritzsch oder der Rassenideologe Alfred Eydt, der seit 1925 NSDAP-Mitgliedwar. 12 Eydt, für Rassenkunde zuständig, übersandte mit seinemBruder Rudolf, der in ähnlicher Position an der Leipziger Hochschule für Lehrerbildung arbeitete, dem Volksbildungsministerium ein Konzept für einen »rassekundli- chen Junglehrer-Jahreskurs«.Mit Michael Hesch, der imKrieg in Prag über die »Eindeutschung« von Tschechen entschied, gab Eydt 1933 den Titel »Der Rasse- und Gesundheitspass als Nachweis erblicher Gesundheit« heraus und 1939 das Buch »Die Sippen. Spiegel und Lebensgesetz unseres Volkes«. 13 Einige Dozenten hatten 1933 das Bekenntnis der Hochschullehrer zu Adolf Hitler unter- schrieben. Die Hochschule arbeitete bis in das Jahr 1945. Schon 1940 wurde im Reich der Lehrermangel so evident, dass an einigen Hochschulen für Lehrerbildung Vorbereitungslehrgänge für Schul- helfer eingerichtet wurden, so auch in Dresden. 14 Theologen und Studenten der Theologie durf- ten nur mit Zustimmung des Reichserziehungsministeriums die Lehrgänge besuchen, um sicherzustellen, dass nur Ideologietreue zur Ausbildung zumSchulhelfer herangezogenwerden würden. Die Ausbildungwar dreigliedrig: Zuerst ein dreimonatiger Vorbereitungslehrgang, dem sich eine ein- bis zweijährige Tätigkeit an einer Schule anschloss, und schließlich ein neunmo- natiger Abschlusskurs. Die Ausbildung zum Schulhelfer war begehrt, wohl nicht zuletzt aus Gründen der Unabkömmlichkeit zur Wehrmacht. Mit Weisung Mutschmanns wurde zum 1. April 1942 die Dresdner Hochschule zur Lehrerinnenbildungsanstalt, die Leipziger in eine Lehrerbildungsanstalt umgewandelt. 15 An beiden Einrichtungen fanden zusätzlich »nach Bedarf Lehrgänge zur Ausbildung von Jugendlichen mit Reifezeugnis für das Lehramt« statt. Nach der Ausrufung des »totalen Krieges« wurde der praktische Einsatz der Studenten in den Schulen 1944 vorverlegt. Trotz aller Bemühungen blieb der Mangel an Volksschullehrern ein bis zum Kriegsende ungelöstes Problem, auch in Sachsen – obwohl hier neben Bayern der höchste Zugang an Studenten an den Hochschulen für Lehrerbildung verzeichnet werden konnte. In Sachsen
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