Katalog

55 aus naheliegenden Gründen in höfischen Hochzeitsbeschreibungen meist nicht näher ausgeführt, geschweige denn bildlich dargestellt. Umso erstaunlicher ist es, dass die Vorgänge bei der Bett- setzung Friedrich Augusts und Maria Josephas in Johann Christian Lünigs Zeremoniellschrift »Thea­ trum Ceremoniale« publiziert wurden. Mag das Geschehen im Zuge der Veröffentlichung auch eine gewisse Redaktion erfahren haben, so gibt die Beschreibung doch einen fast rührenden Einblick in die Situation der Vermählten, von der man sich hier ein eigenes Bild machen kann:   t  »Als [. . .] die Ertz=Herzogin ins Bette gebracht werden sollen, haben Ihr[e] Majest[ät] der Käyser den Chur=Printzen in seine Retirade geführet, und Ihn erinnert, daß Er sich auskleiden solte, hernach sind Sie wieder zu selbigem gekommen, und haben gesaget: Ew[er] L[ie]bden halten sich parat, ich werde Sie bald abholen. Als nun der Chur=Printz in einem weissen Cammisol mit Spitzen, Schlafrock und Pantoffeln sich parat gehalten, und eine kleine Peruque aufgesetzet, aber die Schlaf=Haube unterm Schlafrock aufm Vorrath gehabt, sind Ihre Majest[ät] der Käyser hinein­ gekommen, haben Ihn bey der Hand genommen, und zu der Erz=Hertzogin geführet, aber dabey gesaget, daß Er keine Peruque, sondern eine Schlaf=Haube hätte aufsetzen sollen, doch hat der Käyser Ihn in der kurtzen Peruque zu der Ertz=Hertzogin, die schon im Bette lag, geführet, und Ihm gesaget: Hiermit übergebe Ich Ew[er] L[ie]bden meine Tochter: Sie, als ein Herr von grossen Qualitäten, werden Sie wissen zu tractiren, wie es sich gehöret, und wann Ich dessen nicht ver­ sichert wäre, so hätte Ich Ihnen meine Tochter nicht gegeben. Nachdem dieses in der Gegenwart der drey Käyserinnen Majestäten geschehen, hat der Käyser der Ertz=Hertzogin eine vergnügte Nacht gewünschet, welche dem Käyser die Hand geküsset, worauf Derselbe davon gegangen. Die drey Käyserinnen haben dergleichen gethan, und ist die Obrist=Hofmeisterin [. . .] der Ertz=Hertzogin [. . .] allein da geblieben, aber weil sie gesehen, daß der Chur=Printz sich in ihrer Gegenwart nicht zu Bette begeben wollen, so hat sie sich auch retiriret, iedoch im Vor=Zimmer geschlafen«. 1   t Am folgenden Tag war die Brautmesse, mittags wurde festlich gespeist, des Abends besuchte das Paar mit der kaiserlichen Familie die Uraufführung der Oper »Sirita« von Antonio Caldara.   t Dienstagvormittag, den 22. August, erhielten die Vertreter der Landschaften und Stände in einer Audienz Gelegenheit zur Gratulation und Übergabe von Geldgeschenken. Nach dem Mittagsmahl nahm das Brautpaar Abschied und trat die lange Reise nach Sachsen an.

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