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130 | 131 | MenschenWelten | Quipu-Schnur War es die Niederschrift eines astronomischen Ereignisses oder das Protokoll einer Gerichts- verhandlung? Haben wir es mit einer Statistik über Baumaterial oder mit der Aufzeichnung des Ablaufs einer gewonnenen Schlacht zu tun? Wir wissen es nicht, den Code kann heute niemand mehr entschlüsseln. Mit Knoten versehene Quipu -Schnurbündel dienten den Inka zur Statistik und waren trans- portable Wissensspeicher: Die Anwendungen reichten von reiner Zählung bis hin zur Bewah- rung von Daten wichtiger Ereignisse. Nicht nur Anzahl und Position der Knoten waren hierbei ausschlaggebend, sondern auch die jeweilige Farbe und vermutlich auch die Drehrichtung der einzelnen verwendeten Fäden. Da es historische Abbildungen von Briefträgern gibt, welche zusammengerollte Quipu -Schnüre überbringen, mussten die geknüpften Nachrichten sowohl vom Sender als auch vom Empfänger entziffert werden können. Es war also ein schriftähnliches System. Und es trug offenbar dazu bei, dass der komplexe Verwaltungsapparat im eigentlich »schriftlosen« Inka- reich so erfolgreich war. Heute ist es nicht mehr möglich, die noch vorhandenen Schnüre zu entziffern. Und das, obwohl es vor 500 Jahren dafür noch Pendants in europäischer Schriftform gab: Am Anfang der Kolonisierung bestand das Quipu -System noch einige Jahre parallel zu spanischen Auf- zeichnungen. Aber fanatische spanische Missionare betrachteten im 16. Jahrhundert die ehemals sehr umfangreichen Quipu -Archive als Teufelswerk und zerstörten sie. Und so versuchen Wissenschaftler noch immer, den Code der Quipu zu knacken. Quipu-Schnur Peru, Inkazeit, 15. –16. Jh. Länge der Schnüre: max. 46 cm Sammlung Gretzer Staatsverwaltung in Schnurform
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