Leseprobe

24 westeuropäischer Hersteller befanden sich allein 430 Werke der Venezianer Glasbläsereifirma Salviati e Compagni. Wesentlich prägte aber auch ein auf der Pariser Weltaus­ stellung zusammengebrachtes Konvolut von mehr als 1000 Handwerksarbeiten »halbkultivierter« Völker den Bestand des neu gegründeten Museums, dessen Sammlung zunächst dezidiert global orientiert war. Der satzungs­ gemäß vorgesehene Aufbau einer technologischen Samm­ lung unterblieb anfangs aus finanziellen, unter dem 1872 zum Direktor der Sammlung berufenen Julius Lessing (1843–1908; amt. 1872–1908) bald aber auch aus konzep­ tionellen Gründen weitgehend. Angesichts der erfolgrei­ chen Entwicklung des neu gegründeten Instituts erklärte die preußische Regierung am 30. April 1872 die Absicht, auf Staatskosten für das Deutsche Gewerbe-Museum zu Berlin ein eigenes Gebäude errichten zu lassen. 1873–1881 EHEMALIGE GEBÄUDE DER KÖNIGLICHEN PORZELLAN-MANUFAKTUR – WACHSTUM IM PROVISORISCHEN DOMIZIL Zunächst jedoch wies das preußische Handelsministerium 1872 dem Deutschen Gewerbe-Museum vorübergehend zwei um 1770 als Produktionshallen für die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) errichtete Gebäude zu. Sie befanden sich auf dem Grundstück Leipziger Straße 4, Abb. | Fig. 1 Das Deutsche Gewerbe- Museum zu Berlin im ehemaligen Diorama der Gebrüder Gropius; Holzstich nach Heinrich Scherenberg, Illustrirte Zeitung 51, Nr. 1330, 26. Dezember 1868 The Deutsches Gewerbe-Museum zu Berlin in the former diorama of the Gropius Brothers; wood engraving after Heinrich Scherenberg, Illustrirte Zeitung 51, no. 1330, December 26, 1868 nisiert: Es umfasste neben der Museumssammlung eine Unterrichts-Anstalt sowie eine Spezialbibliothek. Die Bestände des Berliner Kunstgewerbemuseums wurden im Verlauf seiner Geschichte an sieben verschiede­ nen Standorten gezeigt. Diese »Berliner Schatzhäuser« prägten die hier in ihren Grundzügen skizzierte 150-jährige Entwicklung des Museums maßgeblich. Der nachfolgende Überblick soll zugleich eine Vorstellung von den sich im Laufe der Zeit erheblich wandelnden Aufgaben des Kunst­ gewerbemuseums vermitteln. 1867–1873 EHEMALIGES DIORAMA DER GEBRÜDER GROPIUS – GRÜNDUNG UND ERSTE AUSSTELLUNG Die Sammlungen des Deutschen Gewerbe-Museums fanden ein erstes Domizil im ehemaligen Diorama der Gebrüder Gropius in der Stallstraße 7 (heute Universitätsstraße) / Ecke Georgenstraße 12, wo am 7. April 1868 in zwei Sälen eine ständige Ausstellung eröffnet wurde. Bereits am 12. Januar 1868 hatte hier die dem Gewerbe-Museum angegliederte Unterrichts-Anstalt ihre Lehrtätigkeit aufgenommen. Das Diorama der Gebrüder Gropius war 1826/27 nach dem Vorbild des Dioramas von Louis Jacques Daguerre in Paris errichtet worden. Carl Wilhelm Gropius hatte hier mit zwei Brüdern bis 1850 spektakuläre »Panoramen« vorge­ führt, bei denen die Wirkungen von Auflicht, Durchlicht und Farbgläsern genutzt wurden, um die Szenerien im Wandel vom Morgenlicht bis zum dramatischen Mondauf­ gang zu präsentieren. Das Deutsche Gewerbe-Museum hatte das leerstehende Gebäude 1867 angemietet und in dem für die Bühne und den Zuschauersaal gedachten rückseitigen hölzernen Anbau sowie im massiven vorderen Gebäudeteil zunächst zwei, später vier Räume mit einer Ausstellungsfläche von 560 m 2 bezogen (Abb. 1). Dank der Fürsprache des Kronprinzen Friedrich Wil­ helm stellte die preußische Regierung dem privat getrage­ nen Deutschen Gewerbe-Museum mit seinem Vorsteher und ab 1872 Verwaltungsdirektor Carl Friedrich Ludwig Grunow (1823–1893; amt. 1867–1893) ein Startkapital von 45000 Mark zur Verfügung. Damit sollten Ankäufe vorbild­ licher Werke gegenwärtiger Produktion auf der 1867 in Paris abgehaltenen vierten Weltausstellung getätigt werden. Unter den zahlreichen dort erworbenen Werken

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