Leseprobe
154 52 Ein Junge, der Seifenblasen macht (»Homo bulla«) Inv. Nr. Ste 51 H 53 cm, B 18 cm, T 15 cm; H 47 cm, B 16 cm, T 13,5 cm o. Sockel Alabaster Bestoßungen und Kratzer, Stirnlocke ab gebrochen; 2016 aus zwei Teilen wieder zusammengesetzt 53 Ein Junge mit einem Lamm Inv. Nr. Ste 52 H 51 cm, B 17,8 cm, T 17,8 cm; H 45 cm, B 16 cm, T 16 cm o. Sockel Alabaster Bestoßungen und Kratzer, alte Ergänzungen am Sockel, Ergänzungen aus Alabaster am rechten Arm Inventar H 18, S. 219, Nr. 52: Deux enfans qui sembrassent; Nr. 53: Un enfant jouant avec un lion; S. 220, Nr. 54: Un enfant portant un autre plus petit sur le equales; Nr. 55: Un enfant qui fait des bouteilles de savon; Nr. 56: Un enfant avec un bebris; Nr. 57: Un enfant tenant un panier rempli de fruits. Inventar H 29, S. 101, Nr. 52: Zwey Kinder, die sich umarmen; Nr. 53: Ein Kind so mit einem Löwen spielet; Nr. 54: Ein Kind, wel- ches ein anderes kleines Kind auf den Schultern trägt; Nr. 55: Ein Kind, so Seifen- blasen macht; Nr. 56: Ein Kind mat einem Schaafe; Nr. 57: Ein Kind, welches einen Fruchtkorb hält. Die sechs Skulpturen, darunter fünf einzelne Kinderfiguren, ausgestattet mit verschiede- nen Attributen, und ein sich umarmendes Paar, sind als Darstellungen der Sinne und als Tugendallegorien zu deuten, aber nicht als inhaltlich geschlossene Serie zu verstehen. Alle Figuren sind auf wenig hohen und sehr kleinen, terrainandeutenden Sockeln ange- ordnet, die wiederum, da sie allein als Stand- fläche nicht ausreichten, auf etwas ungleich- mäßig gearbeitete, polygonale Sockel aufge- klebt wurden. Diese einheitliche Präsentation belegt, über die stilistische Verwandtschaft hinaus, dass die Figuren als zusammengehö- rig betrachtet wurden. Zu welchem Zeitpunkt die Sockel angesetzt wurden, etwa noch im 17. oder im 18. Jahrhundert, ist nicht mehr zu ent- scheiden, jedoch ist anzunehmen, dass dies in der Sammlung in Wolfenbüttel geschah. 1 Möglicherweise steht diese Maßnahme in Zu- sammenhang mit einer früh zu datierenden Restaurierung der Skulpturen, die zahlreiche, teilweise großflächige Ergänzungen aus Ala- baster aufweisen. Die erste der sechs auch in den Inventaren des Kunst- und Naturalienkabinetts hinterein- ander aufgeführten Skulpturen zeigt zwei Kin- der: einen Jungen, der ein Mädchen umarmt (Kat. Nr. 48). 2 Beide Figuren stehen, ohne dass ihnen weitere Attribute zugeordnet wären, auf einer Wiese, die durch Grasbüschel und Blü- ten zu ihren Füßen angedeutet wird. Zärtlich fasst der etwas größere Junge, von rechts heranschreitend, mit der linken Hand an die Wange des Mädchens, mit der rechten um- greift er ihren Rücken. Er ist im Begriff sie zu küssen. Damit scheint er das Mädchen, das auf den Betrachter zu schreitet, zu überra- schen. Sie erwidert die Bewegung nicht, un- vermittelt führt ihre linke Hand zum Körper des Knaben, ihre rechte hält von innen gegen die des Jungen. Dabei zeigt sich aber ein zar- tes Lächeln, das den Blick auf die Zähne frei- gibt, in ihrem Gesicht. Darstellungen wie diese, die zwei Kinder in Umarmung zeigen, sind im Umfeld von Johann Leonhard Kern (1588– 1662) und seiner großen Werkstatt häufig, sowohl in Alabaster als auch in Materialien wie beispielsweise Elfenbein. 3 Allerdings konnte bisher kein Vergleichsbeispiel gefun- den werden, das eben diesen Moment und die feine Bearbeitung der Figuren – die trotz der Beschädigungen sichtbar ist – wiederholt. Der dargestellte Augenblick erlaubt die Interpreta- tion als Verbildlichung des Tastsinns aus dem Zusammenhang der fünf Sinne desMenschen. In der zweiten Figur (Kat. Nr. 49) präsentiert sich ein etwas älterer, ebenfalls nackter Knabe, im Kontrapost stehend. Mahnend hat er den linken Zeigefinger erhoben, während er seine rechte Hand in das Maul eines verhält- 48 49 50
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