Leseprobe
188 Inventar H 29, S. 100, Nr. 46: Eine liegende Venus und Cupido, der zu ihren Füßen sitzet. Alabaster 14 Zoll breit. Ist beschädigt. Die Skulpturengruppe besteht aus einer jun- gen, auf ihrer rechten Seite liegenden Frau, die ihren Blick nach oben richtet, und einem Putto, der mit nach oben gewandtem Kopf zu ihren Füßen sitzt. Mit ihrem rechten Unterarm stützt sich die Frau auf der rechteckigen Bo- denplatte auf und richtet ihren Oberkörper stark auf, während der linke Arm vor den Kör- per geführt ist. Das lockige Haar ist am Hinter- kopf zusammengebunden, einige Strähnen fallen in ihr Dekolleté. An einem schräg über die linke Schulter und zwischen den Brüsten verlaufenden Band ist ein Tuch befestigt, wel- ches die linke Hälfte des Bauches und die Scham der jungen Frau verdeckt und kurz oberhalb der Knie endet. Aufgrund der Blüten im Haar und in den Händen kann die Figur mit Flora, der Göttin des Blühens und des Reifens, identifiziert werden. Auch der Putto hält eine Blumengirlande in seiner rechten Hand. Darstellungen der Flora waren in der europäi- schen Kunst der Neuzeit beliebt, sowohl als Einzelfiguren, wie beispielsweise in Tizians um 1515 entstandenem Halbfigurenbild, als auch im Rahmen vielfiguriger Kompositionen, wie in Nicolas Poussins »Reich der Flora«. 1 Ebenso brachten Künstler dem Studium anti- ker weiblicher Gewandstatuen, die als »Flora« gedeutet wurden, große Aufmerksamkeit ent- gegen, wie zum Beispiel der »Flora« in der römischen Sammlung Farnese, bei der es sich nach heutigem Kenntnisstand jedoch um eine Darstellung Aphrodites handelt. 2 Ab dem 17. Jahrhundert kursierten, vor allem in der Graphik, Darstellungen der in Ovids »Fasten« (5, 200–206) überlieferten Vermäh- lung Floras mit Zephyrus, bei denen Flora lie- gend dargestellt ist. 3 Vermutlich diente dieses Bildmotiv als Anregung für die Braunschwei- ger Flora-Statuette. Vor diesem Hintergrund könnte Floras zum Himmel gerichteter Blick auf die Existenz einer nicht mehr vorhandenen Zephyr-Figur oder die ursprüngliche Planung einer solchen hindeuten. In der Gestaltung des weiblichen Körpers mit fließenden, die weiblichen Rundungen um- schmeichelnden Stoffen und entblößter Brust sowie der mit Blumen geschmückten Frisur knüpft die Braunschweiger Statuette an be- stehende Darstellungskonventionen an. Die Pose des stark aufgerichteten Oberkörpers ist dagegen ungewöhnlich und erinnert an die weibliche Liegefigur am Portal des Wolfenbüt- teler Schlosses, welche die Personifikation 78 Liegende Flora, zu ihren Füßen Amor Wolfenbüttel , um 1700 Inv. Nr. Ste 59 H 17,8 cm, B 28 cm, T 15,5 cm; Amorknabe: H 8,5 cm, B 8,5 cm, T 6,5 cm Alabaster In zwei Teile zerbrochen, stark fragmentiert, rechter Fuß und linker großer Zeh der Frau verloren, Brüche am rechten Arm, unterhalb des Bauches, am Hals und oberhalb der Knie, linke Hand zu unbestimmter Zeit aus Gips ergänzt, stark fragmentierter Putto als separates Stück erhalten, an seiner Hüfte geklebter Bruch, rechter Fuß und linker Arm verloren, auf der rechten Seite Teile der Sockelplatte verloren Inventar H 18, S. 219, Nr. 46: Venus Couchée et Cupidon assis à ses pieds. Albâtre. I: endommagée :l 78 78
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1