Leseprobe

100 Anja Gottschalk sehene Amtshauptmänner. 9 Heinrich von Taube durchlief zudem eine außerordentliche Karriere vom Kammerpagen zum Oberkämmerer, die ihm die unmittelbare Nähe und eine per­ sönliche Bindung an den Kurfürsten einbrachte. Ab 1640 be­ kleidete er überdies als Oberhofmarschall das höchste Amt des Hofstaates, was seine Prominenz noch einmal bekundet. 10 Nach dem Tod Heinrich von Taubes gelangte das Gut in den Besitz seiner Tochter Maria Luitgard (1627–1667), die es wiederum ihrem Ehegatten Graf Christoph III. Vitzthum von Eckstädt (1633–1711; Gutsbesitzer 1667–1684) vererbte. Als kursäch­ sischer Kammerherr, Rittmeister und Landeshauptmann von Bautzen ist Vitzthum von Eckstädt ebenfalls als Gutsbesitzer von hohem Rang anzusehen. 11 Die früheste überlieferte bildliche Darstellung zum Gut Ober-Neundorf ist eine 1805 von Johann Gottfried Schultz an­ gefertigte Zeichnung (Abb. 1) . Sie zeigt ein von einem zierenden Dachreiter und Fledermausgauben geprägtes Herrenhaus, dessen Umfeld allerdings von einer wenig motivierten Gestaltung ge­ kennzeichnet ist. Südlich des Herrenhauses ist ein Staketenzaun abgebildet, hinter dem sich einige größere Gehölze befinden. Mit dieser Einfriedung, die per definitionem das konstituieren­ de Element eines Gartens darstellt, 12 wird also erstmals gesichert die Existenz eines Gartens in Ober-Neundorf belegt. Die Ansicht entstammt jener Zeit, in der der Rechtsgelehr­ te, Sprach- und Geschichtsforscher Karl Gottlob von Anton (1751–1818; Gutsbesitzer 1782–1818) Besitzer des Gutes Ober-Neundorf war. Bekannt ist dieser vor allem durch seine Tätigkeit als Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, die er 1779 gemeinsam mit Adolf Traugott von Gersdorff (1744–1807) gegründet hatte. 13 Das Gut Ober- Neundorf wählte von Anton häufig als Sommersitz, 14 nach bisherigem Kenntnisstand wurden von ihm jedoch keine ge­ stalterischen Veränderungen am Gutsgarten initiiert. Näheren Aufschluss über die gärtnerischen Anlagen, die dem Gut angehörten, geben ein 1835 aufgestelltes Vermes­ sungsregister 15 sowie eine 1863 entstandene Gemarkungskarte (Abb. 2) . Im Register heißt es: »Es befinden sich hier zwei Gär­ ten a) der herrschaftliche Lustgarten von fünf Morgen und 146 Quadratruten (und) b) der kleine Garten hinter der Brauerei von 20 Quadratruten …, welche zum Theil mit Grünzeug Historische Gutsgebäude: A = Herrenhaus B = Kutscherhaus C = Ehemalige Scheune D = Ehemaliges Inspektorenhaus E = Alte Schmiede F = Schweizerhaus G = Ehemalige Wirtschaftsgebäude H = Ehemaliges Wiegehäuschen I = Ehemaliges Gärtnerwohnhaus Abb. 3 Bestandsplan des Gutsgartens Ober-Neundorf (2016).

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