Leseprobe

36 Abb. 1 /2 Porträtfoto eines hauptamtlichen Mitarbeiters DDR, um 1960 BStU, MfS, KS 469/70, S. 145 Bild 11 Passbildgroße Porträtaufnahmen waren ein unverzichtbarer Bestandteil der – gewöhnlich recht einheitlich aufgebauten – Kaderakten hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS. Die Fotos folgten dabei in der Regel einer recht formalisierten Gestaltung: Die Porträtierten sind meist von schräg vorn aufgenommen, die Ohren sind aus Gründen der Identifizierbarkeit frei, die Mitarbeiter schauen nicht in die Kamera und zeigen meist kein Lächeln, sie tragen in der Regel keine Uniform, die männlichen Mitarbeiter sind in Jackett und Krawatte gekleidet. Bis in die 1960er Jahre hinein wurden die betreffenden Personen oft vor einer mit wechselnden Mustern bedruckten Tapete aufgenommen. Offenbar sollte mithilfe dieser Muster die Fälschungssicherheit der Aufnahmen erhöht werden, da für westliche Geheimdienste das Nachahmen solcher Fotos mit einer neutralen Rückwand – etwa für gefälschte Ausweise – möglicherweise einfacher gewesen wäre. Zu den auf diese Weise porträtierten Mitarbeitern zählte auch der aus dem sächsischen Dommitzsch stammende Karl Herbrich, der über mehrere Jahre im Bereich der Bild­ herstellung des MfS tätig war. 1 Herbrich – während derWeimarer Republik einige Jahre KPD -Mitglied – hatte von 1939 bis 1941 als Filmvorführer in einem Leipziger Kino und von 1947 bis 1952 als Fotograf bei der Kriminalpolizei in Leipzig gearbeitet, bevor er zunächst die Leitung der Bildstelle der BV Leipzig übernahm und 1954 zur Bildstelle des MfS in Berlin wechselte. Offenbar wegen mangelnder Qualität seiner Leitungstätigkeit wurde Herbrich 1957 zum stellvertretenden Leiter degradiert, dann zur Arbeitsgruppe wissenschaftlich-technische Auswer- tung versetzt, bis er schließlich von 1959 bis zu seinerVerrentung 1969 als Fotograf für die Mord- und Branduntersuchungs­ kommission der HA IX /7 arbeitete. In dieser Diensteinheit baute er eine eigene Bildstelle auf und fertigte im Rahmen von Ermittlungen hauptsächlich Bilddokumentationen zu Beweis- mitteln an. Laut einer Ordensauszeichnung steuerte Herbrich auch Fotos zu den für das MfS so wichtigen Prozessen gegen den Chef des Bundeskanzleramts Hans Globke und den als rechtsextremen Attentäter verurteiltenWestdeutschen Herbert Kühn bei. 1  Vgl. im Folgenden BStU, MfS, KS 469/70.

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