Leseprobe
38 Abb. 1 /3 Angehörige des Wachregiments und des sowjetischen Bruderregiments vermutlich Ostberlin, um 1961 BStU, MfS, WR Berlin, Fo 93, Bild 4 Im Mittelpunkt des Selbstbildes der DDR -Geheimpolizei stand ebenso wie in anderen Bereichen des von der SED gelenkten Herrschaftssystems die Beschwörung der »unverbrüchlichen Freundschaft« zur Sowjetunion. Diese »Freundschaft« wurde auch bildlich immer wieder inszeniert, so beispielsweise in einer kontextlos überlieferten Bildserie von acht Aufnahmen eines Fotografen, der wahrscheinlich Angehöriger des MfS-Wachregiments »Feliks Dzierzynski« war. Die Porträts zeigen in mehrerenVarianten jeweils einen Angehörigen des Wach regiments und einen oder zwei Angehörige des sowjetischen Bruderregiments, die gemeinsam ihre Gewehre präsentieren. Offensichtlich bemühte sich der Fotograf darum, eine Variante zu finden, die dem Bild der sozialistischenWaffen brüderschaft am ehesten entsprach. So finden sich in der Serie auch Aufnahmen, in denen einWachsoldat des MfS »einge- kesselt« zwischen zwei sowjetischen Kollegen steht. Darüber hinaus versuchte es der Fotograf mit wechselnden Perspektiven. Die abgebildete Version, bei der die Soldaten von unten porträtiert wurden – der MfS-Wachsoldat steht dabei rechts – dürfte dem erwünschten Bild von gemeinsamer Macht und Überlegenheit nahegekommen sein. Mit der gleichen Blick- richtung wurde die ideologisch vorgegebene Interessen gleichheit der »Waffenbrüder« unterstrichen.Tatsächlich aber bestand trotz der behaupteten »Freundschaft« eine klare Hierarchie zwischen der ostdeutschen und der sowjetischen Geheimpolizei.
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