Leseprobe

189 Einsichten Die DDR auf Fotografien des MfS Fotografien aus den Beständen des MfS ermöglichen vielfältige Blicke auf das Leben in der DDR auch jenseits der eigentlichen Arbeit der Geheimpolizei. Zwar wurden die Aufnahmen meist für geheimpolizeiliche Zwecke fotografiert, doch liefern sie darüber hinaus unbeabsichtigt Ansichten von Orten und Ereignissen, für die andernorts oft keine weiteren Bilder überliefert sind. Die Bandbreite an Themen solcher Fotografien ist groß. So dokumentierten MfS-Mitarbeiter mithilfe eigener oder fremder Aufnahmen etwa Unglücke bei der Deutschen Reichsbahn, Unfälle in Industriebetrieben, die Zustände in nachlässig wirtschaftenden LPG und dieWohnverhältnisse in verfallenden Kleinstädten. Meist bildete der Verdacht der Sabotage den Hintergrund für derartige Aufnahmen. Bei anderen Fotografien lässt sich der Zweck der Dokumentation weniger deut- lich erkennen. In der Regel ging es bei diesen Bildern aber wohl um die Dokumen­ tation von möglicherweise verdächtigemVerhalten oder scheinbar staatsgefährdenden Ereignissen – oder um Orte, die in Zukunft zu Tatorten solcher Staatsgefährdung werden könnten, etwa eine vonWanderern gezimmerte Unterkunft oder ein kleines Museum im Elternhaus des Reformators Martin Luther. Darüber hinaus hinterließ das MfS auch Fotografien, die – wie zum Beispiel ein Fischtrawler oder ein Nachfolgeprototyp des Pkw »Trabant« – ganz offensichtlich nicht für geheimpolizeiliche Zwecke fotografiert worden waren. Auf unterschied­ lichen, oft unbekanntenWegen gelangten die Aufnahmen in die MfS-Bestände und gewähren nun besondere Einblicke in den DDR -Alltag. Schließlich liefern Fotografien des MfS außerdem Erkenntnisse über Bereiche der DDR -Gesellschaft, derenVorhandensein von der Staats- und Parteiführung bestrit- ten oder zumindest öffentlich ignoriert wurde. Dazu zählen insbesondere rechts­ extremistische Bestrebungen, die die Existenz der DDR -Gesellschaft von Beginn an begleiteten.

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