Leseprobe

288 Abb. 6/12– 14 Toter Briefkasten im »Operationsgebiet« Mülheim/Ruhr, 1983 BStU, MfS, BV Leipzig, Abt. XV, Nr. 39, S. 9 Bild 1, S. 15 Bild 1 u. S. 10 Bild 1 Die für Auslandsaufklärung zuständige Abteilung XV der BV Leipzig verfügte 1983 über einen Toten Briefkasten (TBK) in der im westlichen Ruhrgebiet gelegenen Stadt Mülheim. Er befand sich in einem 1655 errichteten Fachwerkhaus, vor dessen Mauern ein unauffälliger Fußweg durch einen Tor­ bogen verlief (12). In dem Mauerwerk hatte das MfS ein »schießschartenähnliches Kellerfenster von etwa 50 cmTiefe [ausgemacht], welches sich hinten rechtwinklig verbreitert«. 2 In dieser Verbreiterung sollte das Material, das die MfS-Mit­ arbeiter konspirativ auszutauschen hatten, abgelegt werden. Zu Toten Briefkästen gehörten in der Regel »Belegungs- und Entleerungszeichen«, die dem MfS-Mitarbeiter anzeigten, ob das Material abgeholt bzw. hineingelegt worden war. Derartige Zeichen richtete man deshalb auch in Mülheim ein. Als »Belegungszeichen« wurde eine Reißzwecke verwendet, die in die rechte Seite des Schaukastens einer Gaststätte in der nahegelegenen Friedrichstraße gedrückt wurde (14). Ebenfalls eine Reißzwecke nutzten die MfS-Mitarbeiter als »Entleerungszeichen« – sie wurde in der Rinde eines jungen Baums an der Kaiser-/Ecke Adolfstraße befestigt (13). Der zuständige Mitarbeiter der Abteilung XV , Hauptmann Gerhard Idaszek, wies in seiner Beschreibung des TBK da- rauf hin, dass er sich nicht allzu weit vom Mülheimer Haupt­ bahnhof entfernt befand. Offensichtlich war der Briefkasten für eine überörtliche Nutzung gedacht. 2  BStU, MfS, BV Leipzig, Abt. XV , Nr.39, S.1.

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