Leseprobe

8   G r u n d g e d a n k e n Eine wissenschaftliche Publikation aus dem Jahr 2008, welche die Datenlage zu gesund- heitsfördernden Faktoren im Krankenhaus zusammenfasst (Ulrich et al. 2008), beginnt mit dem Satz: »A visit to a U.S. hospital is dangerous and stressful for patients, families, and staff« (sinngemäß: »Ein Besuch in einem amerikanischen Krankenhaus ist gefährlich und belastend für Patienten, Familien und Mitarbeiter«). Diese drastische Formulierung bringt auf den Punkt, was im Alltag von Kli- niken und Praxen lange Zeit kaum wahrge- nommen wurde: dieWirkung einer Institution in ihren physischen und psychischen Dimen- sionen auf den Krankheits- und Genesungs- verlauf von Patient*innen, die Mitarbeit von Angehörigen und die Leistung der »Gesund- heitsarbeiter*innen«. Für den Kontext des hier vorgestellten Projekts geht es noch ge- nauer darum, dass auch die Ausrichtung der Gebäude an ausschließlich funktionalen, technisch-medizinischen Gesichtspunkten die (verheerende) Wirkung auf das Leid der Kran- ken und auf deren Genesungsprozess oftmals nicht genügend berücksichtigt. Schon seit den 1990er Jahren gibt es aber auch Forschung zu sogenannten Healing En- vironments, auf Deutsch am ehesten als »Ge- sundheitsfördernde Umgebung« zu verste- hen (Huisman et al. 2012). Im weitesten Sinn verfolgen entsprechende Strategien eine Mi- schung aus Risikovorbeugung, Qualitäts­ management und ganzheitlichen Betrach- tungsweisen auf Einrichtungen und Men- schen im Gesundheitswesen. In der Folge wurden Konzepte für eine menschenfreund- liche und gleichzeitig funktionale Kranken- haus- und Praxisumgebung entwickelt und untersucht, die als Evidence-Based Design bezeichnet wurden. Damit ist die wissen- schaftliche Erkenntnis gemeint, dass durch Investitionen in die strukturellen Gegeben- heiten einer Institution z.B. Behandlungs­ kosten eingespart, die Leistungen der Mitar- beiter*innen verbessert und die Belastung der Patient*innen mit nachteiligen Folgen für die Behandlung vermindert werden können. Der Zusammenhang von Faktoren seitens des Umfelds kranker Menschen mit der Wirkung auf alle Beteiligten und deren erbrachte Leis- tungen für die Gesundheit gilt seither als ge- sichert. Ein paar Beispiele zum Thema der Licht- gestaltung verdeutlichen das: Die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz auf der Station kann die Fehlerquote bei der Zuteilung von Medikamenten in die Tablettenspender signi- fikant verringern; vorhandenes Sonnenlicht mindert postoperative Schmerzen deutlich und senkt die Behandlungskosten erheblich; angemessene Beleuchtung in Tag-Nacht- Philipp Martius Umgebung.Macht.Gesund? Gedanken zum Healing Environment

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