Leseprobe

gemeinsames Unternehmen, aus dem später Seguso Vetri d’Arte hervorgehen sollte, während sich Ercole und Nicolò Barovier zur Vetreria Barovier zusammenschlossen. Die Liquidation der still- liegenden Vetreria Artistica Barovier konnte jedoch nicht abge- schlossen werden; auch Ercoles und Nicolòs neues Unternehmen hatte keinen Erfolg, und so schied Nicolò 1934 aus. Die Brüder beschlossen, mit der Vetreria Barovier ebenfalls in Liquidation zu gehen. Eine Investorengruppe im Besitz des Muraneser Glasher- stellers S.A.I.A.R. Ferro Toso kaufte die beiden Unternehmen schließlich 1937 auf. Fortanwurde unter demFirmennamen Ferro Toso Barovier produziert, der letztlich zu Barovier &Toso geändert wurde. Nach Nicolòs Ausscheiden setzte Ercole Barovier den Weg fort und bestimmte in Alleinregie über die künstlerische Produktion der Manufaktur. Abgesehen von einigen E.N.A.P.I.-Modellen, die von externen Künstlern gestaltet und von der Vetreria Barovier hergestellt wurden, entwarf Ercole den gesamten Musterkatalog inklusive der Techniken und Formen. Um1925war ein neues fort- laufendes Nummernsystem, beginnend bei 10000, eingeführt worden, das von den diversen Nachfolgeunternehmen aufgegrif- fen wurde und bis heute gilt. In den ersten Jahren nach der Fusion wurden parallel einige originale S.A.I.A.R.-Produkte hergestellt, für welche man jedoch die S.A.I.A.R.-Nummerierung beibehielt. Unter denGlasherstellern jener Zeit bildete Barovier eine bemerkenswerte Ausnahme: Es handelte sich umdas einzigeUnternehmen, das – gelegentliche Auftragsfertigungen ausgenommen – nicht mit exter- nen Gestaltern zusammenarbeitete. Die aus solchen Kooperationen hervorgegangenen Erzeugnisse wurden zwar hin und wieder in die Musterbücher aufgenommen, beeinflussten jedoch nicht die unter- nehmenseigene Produktion. Ercoles Kenntnisse der Rohmaterialien der Glasherstellung und ihrer Anwendungsmöglichkeiten hielt seine diesbezüglicheNeugier lebendig. Diemeisten seiner technischen Neuerungenwurden aus der Praxis geboren und entstanden amOfen, imProzess der Anwendung selbst (Abb. 1). Die innovativen Erzeugnisse des Herstellers bewahrten, obgleich ihr Stil unverkennbar war, zeittypische Merkmale. Trotz ihrer Unverwechselbarkeit blieben Ercoles Produkte in all ihren Entste- hungsphasen stets auch der jeweiligen Zeit verpflichtet. Die von Ercole Barovier angewandten Verfahren können grob in zwei Gruppen unterteilt werden, die zeitlich zwei Phasen, getrennt durch den Zweiten Weltkrieg, entsprechen. Vor dem Krieg orientierte sich Ercoles Ansatz vorwiegend am Glasblasen. Er entwickelte neue Glassorten wie das acciaio und nutzteChemikalien zur Oberflächenbehandlung (etwa im Primavera -Verfahren). Mitte der 1930er Jahre führten Ercoles Experimente mit unverarbeiteten Farboxiden zu seiner bekanntesten technischen Neuerung: der sogenannten Färbung durchHitze ohne Verschmelzen ( colorazione caldo a senza fusione ) (Abb. 2). Seit jeher wurde Farbglas hergestellt, indem der geschmolzenen Glasmasse Metalloxide bei- 1 Ercole Barovier, Primavera , 1929 einzigartige Oberflächengestaltung durch experimentelle Verwendung von Chemikalien Ercole Barovier, Primavera , 1929 Unique surface design resulting from the experimenal use of chemicals 34

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