Leseprobe

Im GRASSI Museum für Angewandte Kunst gehörte Glas zu den Hauptmaterialgruppen, nach denen die Sammlung seit der Gründung aufgebaut wurde. Selbstverständlich stand auch hier venezianisches Glas aus Murano an erster Stelle. Neben aktuellen Beispielen wurde zudem historisches Glas gesam- melt, darunter venezianischeGlaskunst aus dem16. Jahrhundert. Venedigs Glasmacher waren berühmt für ihr klares, farbloses Glas, das cristallo , das zu dieser Zeit nur wenige Glashütten herstellen konnten. 3 Schon damals nutzten dieGlasbläser die noch heute inMurano eingesetzte Technik a canne, bei der feine Glasstäbe verschmolzen werden (Abb. 1). Durch so erzeugte Fadenglaseinlagen lassen sich filigrane Dekore gestalten, die an Spitze erinnern und als reticello oder filigrana bezeichnet werden. 4 Diese Nähe zu textilen Materialien inspirierte Glaskünstler durch die Jahrhunderte: Ercole Barovier arbeitete bei in der Ausstellung präsentierten Gefäßen, die er für den französischen Modedesigner Christian Dior entwarf, mit farbigen Glasbändern und Fäden, die er, ähnlich wie Fadenkreuzungen von Geweben, hier schottischen Tartanstoffen, übereinanderlegte (Barovier Kat.-Nr. 138–141) (Abb. 2). Während Ende des 19. Jahrhunderts durch Erwerb und Schenkungen aktuelle Beispiele in die Sammlung des GRASSI gelangten, finden sich zur Entwicklung der Glaskunst des 20. Jahrhunderts nur wenige 3  GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig: Ständige Ausstellung. Antike bis Historismus, 2. Aufl., Leipzig 2009, S. 53. 4  Heiremans 2002, 67. Vgl. auch ders. in diesem Katalog, S. 18. 3 Ringflasche »Oriente osellare Congo« Modell 3125 , Dino Martens (Entwurf), Aureliano Toso (Ausführung), 1952, GRASSI Museum für Angewandte Kunst Ring flask “Oriente osellare Congo” model 3125 , Dino Martens (design), Aureliano Toso (execution), 1952, GRASSI Museum of Applied Arts 12

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