Leseprobe
62 63 und Wohnungen isoliert Arbeitenden miteinander und mit dem Rest der Welt, er ver- knüpft, vernetzt, übersetzt, interpretiert, kontrolliert, zeichnet auf, sendet und empfängt. Mit ihm lassen sich in der ganzen Welt Informationen einsammeln und neu arrangieren. Mit Tastatur und Mouse scheint die Welt von morgen zu entstehen. Wie heute der Computer über Netzwerke und Datenströme Informationen bereitstellt und verwaltet, so war es in der Frühen Neuzeit die Aufgabe der Kunstkammern in den Residenzen und Schlossanlagen, die in der Welt eingesammelten Dinge zu verwahren. Kunstkammern machten Wissen in dinglicher, bildlicher und textlicher Form vor Ort ver- fügbar. Es ist ein Glücksumstand, dass sich im Inventar aus dem Jahr 1657 eine hauchdünn mit der Feder gezeichnete Skizze der Gothaer Kunstkammer mit der ursprünglichen Raum- disposition erhalten hat (Abb. 2). Sie zeigt, wie der »Arbeitsplatz« von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg, genannt der Fromme, im dritten Geschoss des Westturms von Schloss Friedenstein hoch über Stadt und Land Gotha ausgesehen hat. Entlang der Wände und in den Fensternischen befanden sich Schränke, in denen Anatomica, Architectonica, Artificalia und Naturalia untergebracht waren. In der Mitte des Raums stand eine Tafel, die von vier weiterenwinkligen Tischen gerahmt wurde. Auch hier drängten sich Instrumente, Abb. 1 Homeoffice aus: Jörg Reschke, Fundraising im Homeoffce (https://sozialmarketing.de/ fundraising-im-homeoffice; 18. 5. 2021) Abb. 2 ® Die Kunstkammer imWestturm von Schloss Friedenstein Blei und Feder in Braun, aus: Inventarium[...] 1659, pag. 69, SSFG, Schlossmuseum, Archiv, 84 A
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