Leseprobe
99 1921 bis 1927 lich abends zusammen, er wird Ihnen vielleicht inzwischen geschrieben haben. Wir haben zunächst das ›Erfinderbuch‹ besprochen und dann Pläne gemacht für die Publikationen der Grünberg-Presse. Hierfür ist alles bereit, es fehlen nur noch Ihre Zeichnungen.« Cassirer wollte demnach nicht nur das Buch, son‑ dern auch die Drucke der Grünberg-Presse verlegen. In einem Brief vom 1. März 1923 im Nachlass Grünberg bestätigt Cassirer den Erhalt des Manuskripts »Grafische Experimente« und bittet Grünberg, die bereits vorhandenen Drucke bei ihm ansehen zu dürfen. Auch der Entwurf des Vertrags von März 1923 ist erhalten geblieben. Wie aus einer Notiz Grün‑ bergs dazu hervorgeht, störte er sich vor allem an der im Vertrag festgelegten Beschränkung auf eine einzige Auflage und an der vorgesehenen Gewinnverteilung. Die Unstimmigkeiten konnten offenbar nicht ausgeräumt werden, und das Projekt kam nicht zustande. So schreibt Bruno Cassirer bereits am 10. Februar 1923: »Lieber Slevogt Ich bin in einer so scheußlichen Stimmung, daß ich Ihnen darüber schreiben muß. Ich habe Furcht, daß mir der Verlag Ihrer Arbeiten aus der Hand gleitet. Durch die Schwierigkeiten mit Grünberg, durch die ich mich sehr verletzt fühle und dadurch, daß Sie den Verlag der Graphiken, die Ihr Schwager in Neucastel druckt offenbar selbst in der Hand haben wollen, entgeht mir ein großer Teil Ihre [sic] graphi‑ schen Produktion [. . .].« 7 Grünberg arbeitete indessen auch in den folgenden Jahren kontinuierlich an der Verbesserung seiner Erfindung und an der entsprechenden Überarbeitung des Manuskripts »Grafische Experimente«. 8 Am 11. September 1926 (Brief-Nr. G 16) teilt er darum Slevogt mit, er sei froh darüber, dass es noch nicht zu einer Publikation gekommen sei. Seine Leidenschaft für Druckgrafik machte Grünberg aber zugleich zu einem Sammler, der regelmäßig auf Auktionen neue Stücke erwarb. Da Slevogt sich sehr für die Entwicklung des Kunstmarktes und die Nachfrage nach seinen Werken interessierte, sind auch Grünbergs Berichte vom Verlauf der Auktionen ab Ende 1924 mehrfach Thema in den Briefen. 1 / Vgl. auch den Beitrag »Verehrter Meister!« von K. Feulner in diesem Band, S. 12–25. Ich danke Karoline Feulner sehr herzlich für die außer ordentlich gute und konstruktive Zu- sammenarbeit. 2 / Vgl. E. Wolf (2018), Cassirer 26. 3 / W. Diehl (2018), S. 206. 4 / Vgl. dazu ausführlich den Beitrag »Hexenküche« von K. Feulner in die- sem Band, S. 60–65. 5 / Der Brief ist Teil des Nachlasses Josef Grünberg im GDKE, Landesmuseum Mainz. 6 / Diese Briefe werden heute im LBZ Speyer aufbewahrt. 7 / LBZ Speyer. 8 / Das Skript zu der Publikation hat sich in mehreren Exemplaren, zum Teil mit Korrekturen, im Nachlass Slevogt und Nachlass Grünberg erhalten. Alle befinden sich heute im GDKE, Landes- museum Mainz. Die letzte Fassung scheint aus dem Jahr 1929 zu datieren. In seinem Brief vom 14. Oktober 1929 (Brief-Nr. G 23) schreibt Grünberg, dass er noch die Hinweise von Orlik und Plesch in das Manuskript eingearbeitet habe. Bei dieser letzten Fassung han- delt es sich um GDKE, Landesmuseum Mainz, Inv.‑Nr. DL SL NL SPOG 29, folgend zitiert als J. Grünberg (1929). Abb. 1 Blindstempel von Max Slevogts Handpresse mit dem Turm von Neukastel Abb. 2 Blindstempel von Josef Grünberg für seine SPOG Presse
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1