Leseprobe
75 Die rasche und vielgestaltige Verstädterung Erst weitere 1887 begonnene Verhandlungen führten im Mai 1893 zu einem Vertrag mit der Berliner Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft zur Einrichtung einer elekt risch betriebenen Straßenbahn. Voraussetzung zu dieser für die erheblichen Stei gungsverhältnisse besser geeigneten Antriebsart war der im März 1894 begonnene Bau einer Kraftstation in der Erholungsstraße (ab 1898 Theaterstraße). So konnte am 17. November 1894 die erste Fahrtstrecke von 1,7 Kilometern Länge vom Oberen Bahnhof zum Neustadt platz mit einer Spurbreite von einem Meter in Betrieb genommen werden. Bereits am 3. Dezember 1894 erfolgte als Fortset zung die 1,6 Kilometer lange Teilstrecke vom Neustadt platz zum Unteren Bahnhof. Das Strecken- beziehungs weise Liniennetz erweiterte sich bis 1902 auf 5,78 Kilo meter, darunter die neuen Abschnitte Syrabrücke–Grü ner Kranz und Wettiner Hof – Schillergarten. Die Zu nahme der beförderten Personen erhöhte sich von 1 239281 (1896) auf 3284390 (1904) und belegte damit die bedeutungsvolle Funktion der Straßenbahn für eine bessere innerörtliche Mobilität und für eine standört liche Aufwertung abgelegener Stadtteile. Der zur Stre ckeneröffnung im November 1894 zu verzeichnende Erstnutzeransturm erbrachte neben der verständlichen Neugier auf das moderne Transportmittel den offen kundigen Beleg der längst überfälligen lokalen Ver kehrsdurchquerung in dem immer mehr entstehenden Siedlungsgebilde einer Großstadt. Entfaltung der Wasser-, Gas- und Stromversorgung Die Absicherung der Wasserversorgung als vordringliche kommunale Aufgabe Ein noch größeres und weiter zurückreichendes Be dürfnis hatte sich herausgebildet, als Plauen nach der Mitte des 19. Jahrhunderts immer deutlicher von einer Kleinstadt zu einer Mittelstadt heranwuchs und durch die ständig höhere Einwohnzahl der Bedarf an Wasser erheblich anstieg. Versorgten bislang die hölzernen Röhren vom Syratal zum Altmarkt Bereiche der tiefer gelegenen Innenstadt durch das natürliche Gefälle zu meist noch ausreichend mit Trinkwasser, so führte die Herausbildung der Neundorfer Vorstadt und der Syrauer Vorstadt (Bahnhofsvorstadt) dazu, dass einerseits die nutzbare Wassermenge nicht ausreichte, um die zahl reichen zusätzlichen Bewohner zu versorgen, und an dererseits die neuen Vorstädte bedeutend höher lagen als die Quellfassung und somit bisherige Zuleitungen nicht infrage kamen. Deshalb gewann in dieser Zeit vor allem in der sich zuerst ausdehnenden Neundorfer Vor stadt die Anlage von Brunnen an Gewicht, wobei zum Beispiel der Brunnen im Garten der »Erholung« von 1842 bis 1865 auch der Wasserversorgung von Einwoh nern des Stadtviertels diente. Zwar gab es 1852/53 Be mühungen zur Errichtung einer Wasserleitung aus Rich ⑨ Der Triebwagen Nr. 9 der 1894 eröffneten Straßen- bahnlinie Oberer Bahnhof –Unterer Bahnhof Stadtarchiv Plauen
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