Leseprobe

76 Das »lange 19. Jahrhundert« – Auftakt zur neuzeitlichen Stadtentwicklung, Industriealisierung, Großstadtbildung tung Neundorf und 1863 Vorstellungen zu einem Pump­ werk an der Weißen Elster im Terrain der oberen Aue, um der immer häufigeren Wasserknappheit zu begeg­ nen, aber erst die steigende Anzahl von diesbezügli­ chen Eingaben an den Stadtrat führte schließlich dazu, dass 1864 durch ein fundiertes Gutachten des Wiener Sachverständigen Gustav Henoch das Quellgebiet des Milmesbachs als besonders ergiebiges Grundwasser­ reservoir bewertet wurde. Auf dieser Grundlage wurde 1864/65 die Milmes- beziehungsweise Meßbachleitung mit einem Hochbehälter fertiggestellt, deren höhensei­ tige Ausgangslage eine bessere Gewähr zur Wasserver­ sorgung bislang benachteiligter Vorstädte bot und bei deren Einwohnern große Freude auslöste. So fand am 9. September 1865 in der Neundorfer Vorstadt ein um­ fangreiches Festprogramm mit Illumination zum Beginn der »Wassermangelaufhörungsperiode« statt. Außer­ dem war durch die zu erwartende Feststimmung der Altmarkt geschmückt und mit einem Springbrunnen ver­ sehen worden. In Anerkennung der überaus erfolgrei­ chen Wasserbeschaffung wurde G. Henoch am 6. No­ vember 1865 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Plauen zuerkannt. Da jedoch durch die erhebliche Zunahme der Einwohnerzahl und durch die Ausbreitung der Bebau­ ung auf höher gelegenen Arealen wie in der Ostvorstadt und in der oberen Bahnhofsvorstadt der Wasserbedarf weiter anstieg, wurden von G. Henoch weitere geeig­ nete Wassernutzungsgebiete vorgeschlagen, sodass 1873/74 die Syrau-Kauschwitzer Leitung entstand, die 1885 um eine Zuleitung von Zwoschwitz ergänzt wurde. In günstiger Lage zur Stadt wurde zudem 1874 ein Hochbehälter an der Pausaer Chaussee bei Neuhasel­ brunn errichtet. Weil aber trotzdem die Wassermenge nicht ausreichte, auch bedingt durch die Trockenheit im Sommer 1885, wurde noch im Herbst jenes Jahres der Berliner Ingenieur A. Thiem mit der Erkundung neuer Bezugsquellen beauftragt, die er bis 1887 durchführte, wobei er schon im November 1885 eine Grundwasser­ gewinnung im Elstertal bei Straßberg in den Vorder­ grund rückte. Da jedoch die laufenden Ausgaben für den erforderlichen Pumpaufwand von der Talsohle bis in die wesentlich höher gelegenen Stadtteile der Stadt­ verwaltung als zu voluminös erschienen, wurden andere Lösungen gewählt. So entstanden 1894/95 die bei Syrau ⑩ Am 9. September 1865 wurde auf dem geschmück- ten Altmarkt mit dem dort errichteten Springbrunnen sowie in der Neundorfer Vorstadt mit einem Fest- programm der Beginn der »Wassermangelaufhö- rungsperiode« gefeiert. Vogtlandmuseum Plauen

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