Leseprobe
77 Die rasche und vielgestaltige Verstädterung einsetzende Kaltenbachleitung und 1895/97 die Berge ner Leitung mit einem Hochbehälter bei Reusa, die die umfangreichste Wassermenge lieferte und vor allem für die höher gelegenen Stadtviertel von Nutzen war. Obwohl der beträchtliche industrielle Wasserbedarf nur durch das Brauchwasser von Weißer Elster und Mühlgraben gedeckt werden durfte, stieg der Trinkwas serbedarf infolge der rasanten Zunahme der Einwoh nerzahl weiter an, sodass von 1900 bis 1902 mit den Vorarbeiten zur Errichtung einer Talsperre bei Pop pengrün begonnen wurde. Die detaillierte Planung zur Geigenbachtalsperre ist 1903 auf der ersten Deutschen Städteausstellung in Dresden vorgestellt worden. In An betracht des 1904 erfolgten Baubeginns mit einer ab sehbar längeren Bauzeit wurden deshalb für verschie dene öffentliche Einrichtungen, zum Beispiel Oberer Bahnhof, Königliche Industrieschule, Lehrerseminar, Gaswerk, Abdeckerei, und für zahlreiche Privathaus halte, besonders in der Haselbrunner Vorstadt, weiter hin tiefe Brunnen genutzt beziehungsweise erst ange legt. Außerdem sind fortwährend neue Haupt- und Zweigzuleitungen geschaffen worden. Da sich auch der Wasserverbrauch der örtlichen Industrie ausdehnte, ist zur Verbesserung der Nutzwasserqualität der Weißen Elster, in die bis 1899 die städtische Kanalisation ein mündete, schon 1874 und 1893 der erste Abschnitt ei nes Abfangkanals für Schmutzwasser fertiggestellt worden, dessen teilweise Fortführung von 1899 bis 1901 erfolgte. Zur vorteilhafteren Brauchwasserversorgung, besonders in der unteren Aue, wurde außerdem 1900/01 ein Rein- beziehungsweise Betriebswasserkanal er richtet. Dadurch, dass mit der 1897 begonnenen Begra digung der Weißen Elster ab der oberen Aue für einige industrielle Anlieger der unmittelbare Wasserbezug entfiel, hatte sich schon die Notwendigkeit eines Er satzstrangs für das benötigte Nutzwasser angedeutet, der im Jahr 1904 bis zur unteren Aue fertiggestellt wer den konnte. Das Gaswerk diente seit 1856 zu Leucht-, Koch-, Wärme- und Kraftzwecken Zwar waren bereits 1828 in Dresden und 1838 in Leipzig die ersten sächsischen Gasanstalten entstanden, wäh rend weitere städtische Gaswerke 1851 in Zwickau, 1854 in Chemnitz und 1856 in Plauen in Betrieb genom men wurden. Der Auslöser zur Erzeugung von Gas aus Steinkohle war die allerorten unzulängliche Beleuch tung der alten und neuen Straßen. Obwohl in Plauen seit 1842 eine gewisse Straßenbeleuchtung durch eine be grenzte Anzahl von Öllaternen vorhanden war, verbrei teten diese nur bis Mitternacht ihr Licht und wurden in den Monaten Juni und Juli überhaupt nicht angezündet, sodass es angesichts der zumeist noch ungepflaster ten Verkehrswege zu zahlreichen Beschwerden aus der Bürgerschaft kam. So ist dem Kaufmann Christian Carl Böhler die Anregung zu verdanken, dass er neben einem geschäftlichen Vorteil der besseren Ausleuchtung und Beheizung der seit 1826 firmierenden Textilfabrik F. L. Böhler & Sohn auch die Vervollkommnung der kommu nalen Straßenbeleuchtung durch die Errichtung einer von der Stadtverwaltung mitgetragenen Gasanlage vor schlug. Während Ch. F. Böhler zur Realisierung eine von ihm geführte Aktiengesellschaft gründen wollte, emp fahl ein 1853 vom Stadtrat gebildeter Ausschuss am 29. November 1854 unter dem Vorsitz von Carl Wilhelm Wieprecht aus bereits erkennbaren einnahmebezoge nen Nutzungsgründen die alleinige Verantwortung der Stadt zu übergeben. Da der Stadtrat am 8. Dezember 1854 und die Stadtverordneten am 29. März 1855 trotz kostenseitiger Skepsis vom 17. Januar 1855 aus der Bür gerschaft diesem Vorschlag zustimmten, konnten nun mehr die speziellen Vorbereitungen zur Erbauung und technischen Ausstattung des Gaswerks getroffen wer den. Diese wurden von dem bisherigen Betriebsinspek tor der Dresdner Gasanstalt, Gottfried Lorenz, vorge nommen, der auch bis 1864 die Plauener Gasanstalt leitete. Die umfangreichen Maurerarbeiten an der west lichen Seite der Hammerstraße vergab man an den bei vielen lokalen Bauvorhaben hervorgetretenen Carl Gottlob Rädel. Nach der am 26. Oktober 1856 vollzoge nen Inbetriebnahme erfolgte am 31. Oktober 1856 die erstmalige Zuleitung mit Leuchtgas an 61 Privatabneh mer und an die 159 stadteigenen Straßenlaternen, de ren Anzahl sich bis 1904 auf 2045 erhöhte. Der seit 1856 zügig vorangetriebene Ausbau des Hauptröhrennetzes förderte in kurzen Zeitabständen den Gasbedarf, vor erst zur Beleuchtung und zunehmend auch zu Koch-, Wärme- und Kraftzwecken, wobei bis 1896 die Gasmo toren für die Textilindustrie Bedeutung besaßen. Wur den 1857 insgesamt 67 600 Kubikmeter verbraucht, waren es 1863 bereits 176710 Kubikmeter, sodass 1864, 1872 und 1875 drei zusätzliche Gasometer errichtet werden mussten. Schon 1876 gab der bis 1891 tätige Direktor Rudolf Albert Merkel die Anregung zum Bau einer zweiten Gasanstalt, der aber erst 1901/02 nach der erfolgten Elsterregulierung auf der östlichen Seite Seit 1867 unumgängliche Messung des Wasserverbrauchs Nachdem 1865 die Meßbacher Wasserleitung in Funktion kam, wurde am 5. August 1867 der erste Wassermesser in Betrieb genommen, dem im Laufe des Jahres noch 21 Wasserzähler folgten. Wenn auch die verbindliche Ein- führung von Wassermessern in den folgenden Jahren immer noch auf Schwierigkeiten stieß, so sah man sich doch zum Einbau derselben veran- lasst, da sich die Grenze der Leistungsfähigkeit bei der Wasserbeschaffung näherte. Man sah in der genauen Zumessung und Berechnung der tatsäch- lich verbrauchten Wassermengen den einzigen Weg, die mit erneuten Kos- ten verbundene Erweiterung der bestehenden Anlagen noch auf fernere Zeit hinauszuschieben. Es gab sogar die Auffassung, dass es weniger auf absolut genaues Anzeigen der Messer ankomme als darauf, dass die Ver- braucher zur Sparsamkeit erzogen und Wasservergeudungen ausgeschlos- sen werden.
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