Leseprobe
79 Die rasche und vielgestaltige Verstädterung Fortschritte in der Gesundheitspflege und Krankenfürsorge Die die Gesundheit fördernden Bade möglichkeiten und Turnbewegungen Obwohl in Plauen die Badestuben schon eine jahrhun dertelange Tradition besaßen, erfuhr das Badewesen erst im 19. Jahrhundert eine größere Aufmerksamkeit und Inanspruchnahme, da 1798 Moritz Erdmann Engel auf die dringende Notwendigkeit der Schwimmkunst hingewiesen hatte und wenige Jahrzehnte später mit der Anlage von Badeplätzen an der Weißen Elster mehr Bademöglichkeiten zur Verfügung standen. Zudem hatte sich mit dem von dem Arzt Dr. Jacob Julius Böhler, Sohn des Textilfabrikanten Friedrich Ludwig Böhler, von 1836 bis 1844 betriebenen Badehaus das Nutzungsan gebot auf gesundheitspflegende und medizinische Bä der erweitert. Außerdem bestand mit der von 1844 bis 1847 existierenden Schwimm- und Badeanstalt der All gemeinen städtischen Turnanstalt eine zusätzliche Möglichkeit zur Körperertüchtigung durch Schwimm übungen. Schwimmen und auch Wandern in Form von Turnfahrten zählten damals zu den wegweisenden sportlichen Aktivitäten unter den Vorbildern Johann Christoph Friedrich GutsMuths und Friedrich Ludwig Jahn, die zugleich philanthropisches und nationales Ge dankengut einbrachten. Diese Turnbewegung breitete sich seit 1833 durch Otto Leonhard Heubner in Plauen sowie im Vogtland und im übrigen sächsischen Raum aus. Der Garten seines Vaters Johann Leonhard Heubner beim alten Amtshaus am Schlossberg wurde acht Jahre Standort der ersten Turnanstalt, in der Kraftübungen an Turngeräten stattfanden. Da die Teilnahme von Semina risten, Gymnasiasten und auch Schülern der Bürger schule immer mehr zunahm, wurden ein besser geeig netes Gartengrundstück am Anger erworben, das sich bisher im Besitz von Carl Gottlob Rädel befunden hatte, und am 24. Juni 1840 ein größerer Turnplatz als Allge meine städtische Turnanstalt eingeweiht. Obwohl ab 1841 auch der Turnunterricht an der Bürgerschule ge fördert wurde, unterbrach seit 1848 die Unterdrückung des freiheitlich-demokratischen Anliegens der Turner kreise deren Aktivitäten und damit zugleich das ver dienstvolle Wirken von O. L. Heubner vor allem in der Zeit seiner Gefängnisverbannung von 1850 bis 1859. In Plauen regte sich 1860 der Wunsch nach einer Vereins turnhalle; nach zweijähriger Bauzeit am Anger konnte sie am 18. Oktober 1863 mit einem Schauturnen einge weiht werden und stand ab sofort auch dem schuli schen Turnunterricht zur Verfügung. In Anbetracht der doch begrenzten Räumlichkeiten diente ein am 22. Sep tember 1901 eröffneter größerer Neubau dem immer mehr nachgefragten Turnwesen. Im dem vom politi schen Zeitgeschehen unbeeinflussten Badewesen zeichnete sich schon seit 1851 eine kontinuierliche Nutzungsentwicklung ab, weil seither über viele Jahr zehnte Badeanstalten existierten, zu denen seit 1873 ebenso die Einrichtung des Aktienbadevereins gehörte, die 1879 als städtisches Bad angekauft wurde. Der Stadtgemeinderat beschlossam 12. Oktober 1897 die Er bauung eines größeren Stadtbades, die aber erst nach der Großstadtwerdung erfolgte. Bis dahin stellte der Gebrauch von Schulbädern, die teilweise auch von der Bevölkerung genutzt werden konnten, eine zusätzliche Badegelegenheit dar. Zudem hatte die Gesundheitspoli zei seit 1897 die badseitige Reinigung und Desinfektion von bestimmten Personengruppen (Wanderburschen, Strafgefangenen) nichtstädtischer Herkunft veranlasst. Das im Jahr 1900 eingeweihte Sonnenbad am Preißel pöhl war ein längst notwendiger Schritt zur stadtnahen Inanspruchnahme von günstigen Freiluftbedingungen, die vor allem im Einflussbereich der beträchtlichen un ⑫ Die 1863 eröffnete Turn- halle am Anger vor 1894 Stadtarchiv Plauen
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