Leseprobe

120 Großstadt Plauen – Kaiserreich, Weimarer Republik, »Drittes Reich« bereits 1906 durch die Johann- und Schlachthofstraße bis zum Mendelssohnplatz ausgebaut wurde. 1909 folg­ ten die Verlängerung der Strecke Neundorf – Hasel­ brunn bis zur Schankwirtschaft »Waldschlößchen« so­ wie der Anschluss der Südvorstadt an das Straßenbahn­ netz mit der »Weißen Linie« von der Hofer Straße durch die Oelsnitzer Straße bis zur Flurgrenze in Reinsdorf. Damit betrug die Länge des Streckennetzes elf Kilome­ ter. 1914 existierten vier Straßenbahnlinien: Oberer Bahnhof –Unterer Bahnhof (3,3 km), Haselbrunn – Neun­ dorf (5,1 km), Dittrichplatz – Preißelpöhl (2,9 km) und Tunnel –Reinsdorf (1 km). Die wachsende Bedeutung der Straßenbahn spie­ gelte sich nicht nur im wachsenden Streckennetz, son­ dern insbesondere in der Zahl der Fahrgäste. Waren im Jahr 1904 insgesamt 3,3 Millionen Fahrgastbeförderun­ gen (circa 9000 täglich) durchgeführt worden, so waren es auf dem Höhepunkt 1913 nicht weniger als acht Mil­ lionen (circa 22000 täglich). Angesichts dieser Entwicklung gab es unmittelbar vor Kriegsausbruch Planungen für eine umfangreiche Erweiterung des Straßenbahnnetzes. 1913 schloss die Stadt mit der Sächsischen Straßenbahn-Gesellschaft mehrere Verträge, nach denen 1914 eine zweigleisige Linie vom Dittrichplatz zum Unteren Bahnhof als Ver­ längerung der Linie Preißelpöhl – Dittrichplatz, 1915 eine eingleisige Linie vom Tunnel nach Chrieschwitz und 1916 eine Linie zum geplanten Hauptfriedhof in Reusa erbaut werden sollten. Von diesen Projekten wurde letztlich nur die Linie zum Hauptfriedhof 1920/21 fertiggestellt. Während des Ersten Weltkriegs mussten mehrere Straßenbahnlinien zeitweise den Verkehr ein­ stellen. Auch wurden erstmals Frauen als Schaffnerin­ nen eingestellt, um die zum Kriegsdienst einberufenen Männer zu ersetzen (der Schaffnerdienst war zum 1. Ja­ nuar 1907 eingerichtet worden). Neben der Straßenbahn wuchs ebenso der private Kfz-Verkehr. Dies verdeutlichen die von der Stadt ge­ zählten Kfz-Zulassungen: Bis zum Jahr 1908 bewegten sich die Zulassungen mit 57 Kfz und Krafträdern auf gleichbleibend niedrigem Niveau, während sie anschlie­ ßend langsam, seit 1911 dann rascher wuchsen. Jahr Kfz- Zulassungen Krafträder- Zulassungen 1910 67 51 1911 200 118 1920 227 86 1921 348 119 1922 449 273 1923 497 323 Zulassungen von Kfz und Krafträdern, 1910 bis 1923 (ausgewählte Jahre) In den 1920er-Jahren erfolgte die eigentliche Mo­ torisierung, als die Zahl der zugelassenen Kfz deutlich stieg und das Straßennetz befestigt und damit den Bedürfnissen des motorisierten Verkehrs angepasst wurde. Wie die Verkehrszählung von 1924/25 verdeut­ ④ Das weit über die Plauener Stadtgrenzen hinaus bekannte Café Trömel am Tunnel, dahinter das im März 1914 eröffnete Kauf- haus Julius Tietz, um 1920 Stadtarchiv Plauen

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