Leseprobe
123 Plauen ist Großstadt anderem in der Benennung des Albertplatzes (1873), des König-Albert-Hains (1889), der König-Albert-Höhe (1887) und der König-Albert-Brücke (1888) ausgedrückt hatte. Im Juli 1902, wenige Wochen nach dem Tod König Alberts, trat ein unter Leitung von Oberbürgermeister Johannes Schmid stehender städtischer Denkmalaus schuss zusammen, der die Planungen für ein Reiter standbild mit geschätzten Kosten in Höhe von 100000 Mark vorantrieb. Nach nur drei Monaten war bereits die Hälfte dieser Summe bei Sammlungen zusammenge kommen. Die Ausführung für das Denkmal wurde dem Leipziger Bildhauer Carl Seffner übertragen, der zur gleichen Zeit als Schöpfer des neuen Bach-Denkmals an der Thomaskirche in Leipzig tätig war. Am 23. April 1907 konnte die Reiterstatue schließlich im Beisein Kö nig Friedrich Augusts III. auf dem Altmarkt enthüllt wer den. In seinem Dankesschreiben an den Vorsitzenden des geschäftsführenden Denkmalausschusses, Land gerichtspräsident Alwin Hartmann, schrieb Oberbürger meister Schmid: »Das Denkmal steht, bewundert von Allen, die es sehen, für immer eine Zierde und ein Schmuck Plauens; ein sichtbares Zeichen der vaterlän dischen Gesinnung einerseits, der Opferfreudigkeit und des Gemeinsinnes Plauenscher Bürger andererseits, aber auch ein Denkmal tatkräftigen, zielbewußten Han delns derjenigen verehrten Männer, welche die zur Schaffung des Werkes bereiten Kräfte gesammelt, or ganisiert, viele und mühsame Arbeit geleistet [...] haben, welches mit der Aufstellung des herrlichen Denkmals nun glücklich erreicht ist.« 17 Zu den Namensträgern König Alberts zählt auch das König-Albert-Bad, gleichfalls ein wesentlicher öffent licher Bau des frühen 20. Jahrhunderts. Das 1872 er richtete Stadtbad an der (späteren) Theaterstraße war durch das starke Wachstum der Stadt schon bald un zureichend geworden. 1897 bewilligte die Stadt aus An lass des 25-jährigen Regierungsjubiläums König Alberts die Summe von 100000 Mark für die Errichtung eines neuen Stadtbads, was den Ausgangspunkt für konkrete Planungen bildete. 1909 wurden die Baupläne für den unteren Anger schließlich genehmigt und weitere 1,1 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Dabei tat sich vor allem Oberbürgermeister Schmid als maßgeblicher Förderer des Bades, »der größten und besten Bade anstalt des Vogtlandes«, 18 hervor. Als das Bad schließ lich am 30. September 1912 eingeweiht und am folgen den Tag eröffnet werden konnte, sprach Bürgermeister Theodor Schurig in seiner Eröffnungsrede vom Stadtbad als einer »sozialen Tat«, um »selbst den Unbemittelten reichlich Gelegenheit zu geben, für den denkbar nied rigsten Preis zu baden«. Zugleich habe man auch etwas für die Verbesserung der Lage der Frauen getan: Schließ lich habe man »ein eigenes Frauenschwimmbad ge schaffen und auch die Wannen- und Heilbäder für be stimmte Tage den Frauen und Mädchen freigegeben«. 19 Auch für eine andere damals aufkommende und schnell beliebt werdende Freizeitbeschäftigung, den Kinobesuch, bot die Großstadt schon einige Möglich keiten – 1912 führten in Plauen fünf Lichtspielstätten Filme vor. Das mit rund 1 200 Plätzen größte Kino, das Capitol, wurde erst 1928 eröffnet. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Plauen in den zehn Jahren nach seiner Großstadtwerdung eine dyna mische Entwicklung mit erheblichem Wachstum und einer Modernisierung seiner Infrastruktur erlebte, eine Entwicklung, die naturgemäß durch den Ersten Welt ⑦ Großbaustelle neues Rathaus, 1913 Stadtarchiv Plauen ⑥ Architekt Wilhelm Goette (1873–1927). Der gebürtige Elsässer arbeitete ab 1910 bis zu seinem Tod als Stadt- baurat in Plauen. Stadtarchiv Plauen, Repro Uwe Fischer 1912
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