Leseprobe
199 Die Nachkriegsjahre (1945 – 1949) der Parteivorsitzende Wilhelm Pieck. Bei 96,1 Prozent Wahlbeteiligung votierten 78,7 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Enteignung. Das große »Säubern« griff auch im Stadtbild um sich. 1945/46 wurden in Plauen 55 Straßen, Wege und Plätze umbenannt, die wenigsten davon trugen den Na men einer NS-Größe. Denkmäler, die nach kommunisti schem Geschichtsverständnis Repräsentanten des Mi litarismus und der Ausbeutergesellschaft verkörperten, stürzten vom Sockel. Das bekannteste Beispiel war das Reiterstandbild von König Albert auf dem Altmarkt, das im Frühjahr 1946 geschleift wurde. 1947/48 erreichte die Entnazifizierung eine neue Stufe. Im Oktober 1946 hatte der Alliierte Kontrollrat in der Direktive Nr. 38 »Kriegsverbrecher und Personen, die möglicherweise gefährlich werden können«, in fünf Gruppen eingeteilt und entsprechende Strafen und Süh nemaßnahmen festgelegt: Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer, Entlastete. Daraufhin wur den in den kreisfreien Städten und in den Landkreisen Kreis-Entnazifizierungskommissionen gebildet. Von Januar bis zu seiner Auflösung im August 1947 überprüften die Kreiskommission sowie ein untergeord neter Entnazifizierungsausschuss für Industrie und Handel mehr als 10000 Fälle. Zwischen November 1947 und März 1948 durchleuchtete eine nunmehr zentrale Entnazifizierungskommission noch einmal etwa 4 300 Personen. Von diesen wurden 569 als »belastet« ein gestuft, was Entlassung oder berufliche Zurücksetzung, bei freien Berufen Berufsverbot bedeutete. Mit der Auflösung der zentralen Kommission im März 1948 war die Entnazifizierung offiziell abgeschlossen. Parteien, Wahlen Wenige Tage nach dem Vereinigungsparteitag von KPD und SPD am 21./22. April 1946 in Berlin schlossen sich die beiden Parteien – gegen den Willen vieler Sozial demokraten – auch im Kreis Plauen zur SED zusammen. Die LDP hatten Ende Juli 1945 einen Kreisverband ge gründet, die CDU einen Monat später. 1948 stießen zum Kreis des sogenannten Antifaschistischen oder auch Demokratischen Blocks noch die Nationaldemokrati sche Partei Deutschlands (NDPD) und die Demokrati sche Bauernpartei (DBD). Die Einheitsgewerkschaft FDGB wurde in Plauen im August 1945 ins Leben geru fen, der Ortsverband der Freien Deutschen Jugend (FDJ) im März 1946. Trotz massiver Propaganda – die SED konnte unter wesentlich besseren Bedingungen als ihre Mitbewerber agitieren – musste die Einheitspartei bei der Kommunal wahl am 1. September 1946 eine herbe Niederlage ein stecken. Bei einer Wahlbeteiligung von 93,8 Prozent entfielen auf die SED nur 41,8 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen. Damit zählte der Stadtkreis Plauen zu den fünf von insgesamt 53 sächsischen Wahlkreisen, in denen die SED nicht die stärkste kommunalpolitische Kraft stellte. Wahlsieger wurde die LDP (44,4 Prozent), während die CDU (12,9 Prozent) abgeschlagen auf Rang drei landete. Die Landtagswahl sieben Wochen später bestätigte dieses grundsätzliche politische Meinungsbild der Plau ener Bevölkerung. Denn obwohl es der SED dieses Mal gelang, mit knappem Vorsprung stärkste Partei zu wer den, konnte auch die LDP ihr Ergebnis vom 1. September ⑤ Die neue Zeit: Demonstrationszug entlang der Reichenbacher Straße zu einer Kund gebung auf dem Festplatz, in der ersten Reihe rechts Oberbürgermeister Alfred Dittel, links Bürger- meister Ernst Diez, 1946 Stadtarchiv Plauen
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1