Leseprobe
231 »Alle machen mit!« »Alle machen mit!« Streiflichter aus Kultur, Bildung, Jugend und Freizeit Staatlich organisierte Lebensfreude. Kulturelles Leben im Sozialismus Nach Überwindung der Nachkriegsjahre konnte sich das kulturelle Leben unter sozialistischen Vorzeichen normalisieren. Kultur war eine Sache des Staates und entfaltete sich unter seinen wachsamen Augen unter anderem in Gestalt des Kulturbundes für demokratische Erneuerung (ab 1958 Deutscher Kulturbund, ab 1974 Kulturbund der DDR). Ihm gehörten Arbeitsgemeinschaf ten, Gruppen und Klubs an. Das klassische Vereinswe sen war bereits durch die Verbote der Sowjetischen Besatzungsmacht weitgehend zum Erliegen gekommen: Die vielfältigen sportlichen und kulturellen Angebote der Betriebe und Massenorganisationen sollten dieses Vakuum zu einem Gutteil auffüllen. Lediglich das Klein gartenwesen konnte sich ein Stück Autonomie erhalten. Die vielen einzelnen Gartensparten, deren Beitrag zur Selbstversorgung der Bürger durchaus von Bedeutung war, hatte man nur formal in einem Verband der Klein gärtner, Siedler und Kleintierzüchter organisiert. Daneben gab es die regelmäßigen Festlichkeiten wie anlässlich des Tages der Arbeit (1. Mai) sowie des Tages der Republik (7. Oktober) im Stadtzentrum. Zum Jahreskalender der Feste gehörten Wohngebietsfeste, der Weihnachtsmarkt, Zirkusgastspiele und ein vielfäl tiges Konzertleben, das von den Sinfonie- und Orches terkonzerten im Theater bis hin zu Auftritten populärer Gruppen wie »Puhdys« (1972), »Stern-Combo Meißen« (1978 im Rahmen der »Vogtländischen Musiktage«), »Ka rat« (1984 und 1985) oder »City« (1989) reichte. Gerade das seit 1955 gefeierte Spitzenfest mauserte sich im Laufe der Jahrzehnte zum absoluten Highlight des Plau ener Kulturlebens. Bis zu 150000 Besucher konnten hier aus 80 Veranstaltungen wählen. Und die damit ein Clemens Uhlig hergehende Infrastruktur um das Parktheater wurde auch außerhalb der Festwoche zum Austragungsort der kulturellen Sommersaison: Frühschoppen, Kaffeenach mittage, Freiluftkino, Tanzveranstaltungen, Ferienaktio nen und Events im Rahmen der Betriebsfestspiele zo gen jährlich zahlreiche Besucher an. Stadttheater Ein Papier des Rates der Stadt von 1957 bezeichnete die kulturellen Einrichtungen als wichtiges Mittel im of fensiven »Kampf gegen die bürgerliche Ideologie« und zählte dazu neben Theater und Kreislichtspielbetrieb – an vorderster Stelle – auch die Stadt- und Kinderbü cherei, das Volkskunstkabinett, Kreismuseum sowie die Volksmusikschule. Die 50er-Jahre gelten als konstitutive Phase der DDR, in welcher der Kultur als Vehikel der ① Umzug zum Stadtjubiläum »750 Jahre Plauen«, das 1974 – politisch motiviert – mit dem 25-jährigen Jubi- läum der DDR zusammen gefeiert wurde Hans Herold
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