Leseprobe
233 »Alle machen mit!« Provisorium Räume in der Friedensschule genutzt wer den oder der Unterricht in den Wohnungen der Lehrer stattfinden. 1973 konnte die nunmehr nach Clara Wieck benannte Musikschule ihr 20-jähriges Jubiläum feiern. Zumindest offiziell wurde die oben genannte Vertei lungsvorgabe in den 70er-Jahren fast erreicht: 1975 schrieb man 68,4 Prozent der Schüler dem Milieu der Arbeiter und Bauern zu. Bei der musikalischen Auftei lung dominierten Streicher, Bläser und Schlagzeug, ge folgt von Klavier und »Volksinstrumenten«. In diesem Jahr unterhielt die Musikschule fünf eigene Orchester und 24 weitere Gruppen, außerdem 17 volkskünstleri sche Laienkollektive. Mit diesen Gruppen wurden über das Jahr 1 570 öffentliche Spieleinsätze durchgeführt, darunter Schulkonzerte, eigene Konzertreihen, Jugend weihefeiern, Wettbewerbe, Musik- und Kulturtage, Auf tritte für ältere Bürger und Konzerte im Bereich der Naherholung sowie für sowjetische Soldaten. 1985 wurde ein Musikunterrichtskabinett gegründet, wo durch weitere Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche für musikalische Ausbildung geschaffen wurden, spe ziell für Blasinstrumente, Klavier und Gitarre. 1986 be suchten 630 Schüler die Plauener Musikschule. Kinos Im Bereich des Filmes – dessen Wert als wichtigstes Massenmedium man auch in der Abteilung Kultur er kannte und schätzte – versuchte man sich in den 50er- Jahren an einer »geschickten Politik« der Filmauswahl. Der Anteil an kulturpolitischen Filmen sollte gegenüber den reinen Unterhaltungsfilmen ansteigen. Hier hob man, auf das Jahr 1956 zurückblickend, als Erfolg den DEFA-Propagandafilm »Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse« mit rund 40000 Besuchern hervor, die freilich auch durch Mobilisierungsarbeit von Partei und Mas senorganisationen zum Kinobesuch animiert worden waren. Indessen änderte sich die Plauener Kinoland schaft. Im Adressbuch von 1950 waren noch vier »Licht spieltheater« gelistet: das »Alhambra« am Oberen Stein weg, das »Lu-Li« (später »Luna«) in der Bahnhofstraße, die »Sachsenhof-Lichtspiele« in der Morgenbergstraße (Haselbrunn) sowie das »Tivoli« in der Pfaffenfeld straße. Nach dem Wiederaufbau instandgesetzt und 1954 neu eröffnet, galt das »Capitol« als eines der mo dernsten Kinos in der DDR. 1958 blickte man – im Wort sinne – besonders stolz auf die neue Kinoleinwand: Nach dem Umbau im zeitgemäßen Cynemascope-Ver fahren konnten Filme nun im Totalvision-Standard ge zeigt werden: Plauen hatte damit ein Lichtspieltheater mit zwölf Metern Breitbildformat. 1966 konnte das »Ca pitol« in fünfjähriger Bauzeit modernisiert und neu er öffnet werden. Seitdem machte es obendrein mit der modernsten Kinoorgel der DDR von sich reden. Siegfried Metzner – seines Zeichens »Capitolorganist« – unter hielt die Kinobesucher schon seit Eröffnung des »Capi tol« 1954 mit Orgelmusik, was es sonst in der DDR nur noch in Leipzig und Erfurt gab. Eine weitere findige Idee des »Capitol« war die Kinderbetreuung in einem sepa raten Kinderklubzimmer. 1986 wurde im Haus zusätzlich noch ein Studiokino mit 30 Plätzen und gastronomischer Versorgung eingerichtet, wo besondere Programmkino filme und Wiederaufführungen gezeigt wurden. ② Lichtspieltheater: am Eingang des Kinos »Capitol« in der Bahnhof- straße, um 1955 Hans Herold
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