Leseprobe

234 Plauen im Sozialismus 1957 wurde das traditionsreiche Studiokino »Alham­ bra« 1957 modernisiert und ebenfalls für Normal- und Breitwandfilme ausgestattet: »Der Name Floh- oder Re­ volver-Kino kann also aus dem Plauener Sprachschatz gestrichen werden«, erklärte der Rat der Stadt 1959. Leider kam es schon wenige Jahre später – 1963 – zur Schließung im Rahmen von bezirksweiten Rationalisie­ rungsmaßnahmen. In den »Luna«-Lichtspielen in der Bahnhofstraße – einst das größte Kino der Stadt und ein regelrechter Filmpalast – wurden noch bis 1964 Filme gezeigt. Anschließend diente das Objekt weiterhin unter diesem Namen als Kulturzentrum des VEB Plauener Gardine. Neben dem »Capitol« überdauerte auch das »Tivoli« – in den 80er-Jahren saniert – die DDR-Zeit. Bis 1989 gehörten sämtliche Filmtheater zur Kreisfilmstelle Plauen. Jährliche Höhepunkte waren neben den Som­ merfilmtagen im Parktheater auch einzelne Freilicht­ kinovorführungen sowie besondere Formate wie das »Festival des sowjetischen Films«. 1986 konnte man auf 345000 Filmbesucher verweisen. Ein von der Kreisfilm­ stelle unterhaltener Jugendfilmklub veranstaltete regel­ mäßig Filmforen, Filmdiskotheken und zeigte in einer »Archivfilm-Reihe« besondere, nicht selten ausländi­ sche Filme. Bibliothek Die Stadtbücherei verfügte in den 50er-Jahren neben der Hauptstelle in der Wilhelm-Pieck-Straße (heute Neundorfer Straße) über Zweig- und Außenstellen in den Stadtbezirken West, Nord, Süd und Preißelpöhl so­ wie den ländlichen Ortsteilen Chrieschwitz, Unterlosa, Stöckigt und Thiergarten (1958). 1973 gab es noch drei Zweig-, vier Ortsteil- und 14 Schulbibliotheken. Die Stadt­ bibliothek fungierte auch als Zentrum für Büchereien in den Betrieben (»Gewerkschaftsbibliotheken«) und sonstigen Einrichtungen: Die Verknüpfung zwischen Stadtbücherei und Gewerkschaften war ein zentrales Anliegen der Büchereiarbeit, galt es doch, »die noch nicht lesenden Werktätigen zum Lesen gerade der Bü­ cher zu erziehen, die ihre sozialistische Weltanschau­ ung erweitern und vertiefen«, wie es 1958 hieß. 1 Zu dieser Zeit verfügte die Bücherei bereits über eine Frei­ handbibliothek, eine wissenschaftliche Abteilung, eine Kunstabteilung mit Schwerpunkt Textilindustrie sowie eine Heimatbücherei. Zehn Tageszeitungen und 46 Zeit­ schriften lagen zur Einsicht aus. Neben Sachbüchern hielt man »eine reiche Auswahl guter Romane und Er­ zählungen vor«. Suggerieren diese Zeilen auch eine vielfältige Auswahl, so ist zu bedenken, dass der Biblio­ theksbestand stets und eingehend politisch überprüft und alles Unerwünschte »ausgemistet« wurde. Dies betraf wohlgemerkt nicht nur nationalsozialistische oder völkische Buchtitel unmittelbar nach 1945. Weiter­ gehende »Bereinigungen« und »Bestandssäuberun­ gen« wurden auch nach Gründung der DDR auf Grund­ lage der »Liste der auszusondernden Bücher« forciert. 1952 wurde für die Plauener Bibliothek festgestellt, »dass dem Leser nur politisch einwandfreies Buchma­ terial in die Hand gegeben« werden darf, wobei die »Frage des Geschmackes« zweitrangig sei. Dieser lite­ rarische Feldzug gegen »bürgerliche« Werke er­ streckte sich schon auf Verlage aus der Bundesrepublik sowie Biografien und Werke der Philosophie, die – mit Ausnahme der Klassik – »genauestens« auf ihren Inhalt ③ Besucher zur Vernissage der Ausstellung von Werner Ballhause am Vogtlandmuseum, 1986 Stadtarchiv Plauen/ Rudolf Fröhlich

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