Leseprobe

60 Das »lange 19. Jahrhundert« – Auftakt zur neuzeitlichen Stadtentwicklung, Industriealisierung, Großstadtbildung Ausdehnung der Bebauung mit Vorstädten Der Beginn der neuzeitlichen Siedlungs­ ausdehnung in der Neundorfer Vorstadt Die über längere Zeit räumlich nur wenig veränderte Siedlungskonfiguration der Stadt Plauen erfuhr ab Ende des 18. Jahrhunderts eine erkennbare, wenngleich punk­ tuelle bauliche Ausdehnung in westlicher Richtung. Aus dem 1795 von Johann Karl Anton Ulrich erstellten mehr­ farbigen Stadtplan geht hervor, dass an der nach Ober­ neundorf führenden Straße einige Gebäude im stadt­ nahen Umfeld von Gärten, Wiesen und Feldern kartiert Gerd Kramer Die rasche und vielgestaltige Verstädterung wurden. Linksseitig der Ausfallstraße sind acht Ge­ bäude (unter anderem Brandversicherungskataster B 35/später Hausnr. 11, B 36/Nr. 13, B 38/Nr. 17, seit 1863 Restaurant »Wolfsschlucht«) und rechtsseitig vier Ge­ bäude erkennbar, darunter das Haus B 66/Nr. 24. Die ursprüngliche Inschrift des Türsteins dieses Neubaus verzeichnete das maßgebliche Jahr 1795. Während im Jahr 1800 noch das Wohnhaus B 62/Nr. 32 hinzu kam, führte die Errichtung des geselligen Zwecken dienen­ den Gesellschaftshauses (B 88, Nr. 10) der »Erholung« im Jahr 1811 in den ehemaligen Gärten des Baumwoll­ händlers Johann Christian Baumgärtel zu einer gewis­ sen Aufwertung des Areals in unmittelbarer Nähe der am dichtesten bevölkerten Altstadt. Angesichts dieser lagegünstigen Situation, die durch eine bebauungsför­ dernde Oberflächengestaltung sowie durch die feh­ lende Überschwemmungsgefahr einen zusätzlichen Standortvorteil bewirkte, wurde das Gebiet des Neu­ markts, der neuen Mark um die später umbenannte Äußere Neundorfer Straße, zunehmend zum Ausgangs­ terrain der Neundorfertor-Vorstadt beziehungsweise nachfolgend zur Neundorfer Vorstadt. Obwohl der Zu­ zug durch Weber anhielt, schritt die Bebauung nicht so zügig voran, wie sie von bauwilligen Grundstückseigen­ tümern erhofft worden war. Dazu gehörte an vorderster Stelle Carl Friedrich Baumgärtel, der 1833 in der später benannten Seminarstraße eine Zimmerei begründet hatte, die 1870 in die Äußere Neundorfer Straße verlegt wurde und sich immer mehr zu einem Bauunternehmen entwickelte. So hatte der Zimmermeister schon ab 1867 mehrere Baugesuche für Feldflächen an dieser Ausfall­ straße beim Plauener Stadtrat eingereicht und be­ schwerte sich 1874 darüber, dass er noch keine Bau­ ① Das zeittypische zweige- schossige Gebäude (mit Bäckereiladen) Ecke Feld- und Neundorfer Straße wurde 1898 durch einen größeren Neubau als Feldstraße 24 ersetzt. Stadtarchiv Plauen

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