Leseprobe
20 Von der Urgeschichte über das Mittelalter bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts Von der Steinzeit bis zur Latènezeit Bei den hier vorgestellten vorgeschichtlichen Funden handelt es sich um Bodenfunde aus dem sächsischen Vogtland. Im Mittelpunkt stehen dabei die Flussland- schaften an der Weißen Elster und der Trieb mit ihren Nebenflüssen. In der heute zum Stadtgebiet von Plau en zählenden Gemarkung wurden Tierknochenfunde aus der Eiszeit entdeckt, die in der Nähe des Elster- wehrs zwischen der Straßberger Straße, dem Flurstück Am weißen Stein beim heutigen Beruflichen Schulzentrum e.o.plauen an der Uferstraße geborgen worden sind. Die von Amandus Haase (1886–1947) in den 1930er-Jahren aufgefundenen Skelettreste stammen von Braunbär, Mammut, wollhaarigem Nashorn, Wisent sowie Rentier und lagen in den eiszeitlichen Ablagerungen am Fels- hang. Während der Eiszeit war unsere Mittelgebirgs region kaum von Menschen begangen worden. Nur we- nige Funde von Feuersteinwerkzeugen sind der Nach- welt überliefert. Aus der Jüngeren Steinzeit wurden 46 Felsgesteinwerkzeuge im Vogtland vorwiegend bei Flurbegehungen geborgen und kartiert. Dabei handelt es sich um Einzelfunde, die keine Beweise für eine dau erhafte Besiedlung während der Steinzeit im späteren Vogtland sind. Die Walzenbeile, Spitzhauen und jung- steinzeitlichen Felsgeräte, die bisher aufgespürt wur- den, beweisen, dass Menschen unsere Landschaft durchstreift haben. Im Vogtlandmuseum existiert von Plauen-Chrieschwitz eine schuhleistenförmige Axt. Sie wurde auf dem Gelände der ehemaligen Henkelschen Brauerei beim Brunnenbau entdeckt. Es wurden in Plau en-Jößnitz ein Steinbeil und in Plauen-Straßberg ein Rillenhammer aufgefunden. Er stammt aus dem Über- gang in die Bronzezeit und weist auf urgeschichtlichen Bergbau. Ebenso könnten weitere Felsgesteinbeile erst in der Bronzezeit entstanden sein. Denn auch in dieser Zeit wurden Steinwerkzeuge hergestellt und verwen- det. Eine Anzahl dieser Steinbeile wurde später im tiefen Aberglauben von den Hausbewohnern als Schutz vor Gewittern hinterlegt und sie sind uns daher überliefert. Jüngersteinzeitliches Alter weisen die Arbeitsäxte von Plauen und Plauen-Chrieschwitz auf. Ihr Gebrauch Gabriele Buchner kann vielleicht auch noch in der Frühbronzezeit liegen. Ein äußerst interessanter Fund stammt aus der Gemar- kung Treuen. Ein vorgeschichtliches Kupferbeil, wel- ches zwischen Stein- und Bronzezeit datiert werden kann, ist ein wertvoller Einzelfund. Mit Beginn der jüngeren Bronzezeit um 1200 v. Chr. begann in unserem Gebiet die Besiedlung durch Men- schen. Damit gehören die Funde zur Lokalgruppe der Lausitzer Kultur und werden dominiert vom Siedlungs- komplex um Taltitz und Dobeneck in der Nähe der Tal- sperre Pirk. Dieser bronzezeitliche Fundkomplex gehört heute verwaltungstechnisch zur Stadt Oelsnitz im Vogt- land. Mit den beim Autobahnbau und dem Talsperrenbau in Pirk auftretenden Funden hat sich besonders Amandus Haase beschäftigt. An der Fundstelle Göse wird ein Be- siedlungshorizont von der Hügelgräber- zur Urnenfelder- zeit fassbar. Beim Komplex Dobeneck Nasser Acker kommt die zeitliche Zuordnung um 1100 v. Chr. in Betracht. Die Fundstellen waren eine weitläufige Siedlung zu beiden Seiten des Eiditzlohbaches, eines rechtsseitigen Zuflus- ses zur Elster. Bei seinen Untersuchungen fand Haase eine Bronzeschmelze. Dies deutet an, dass sich während der Bronzezeit die damaligen Siedler mit Bergbau, Metal- lurgie und Verhüttung beschäftigt haben. Die bronzezeit- liche Wallanalge auf dem Eisenberg bei Pöhl-Jocketa nahe der Talsperre Pöhl zählt zu den größten bronzezeitlichen Wallburgen in Sachsen. Die Höhensiedlung lag 435 Meter über dem Meeresspiegel. Den wahren Charakter des »Schlackenwalls« auf dem Eisenberg bei Pöhl im Vogt- landkreis hat Ferdinand Mohr (1834–1929) erkannt. Die Erforschung seiner Geschichte haben dann Alfred Teu- scher und Ulrich Otto publiziert. Eine Datierung in die Jung- bis Jüngstbronzezeit und jüngere Scherben weisen in den Übergang zur Hallstattzeit und wurden durch Klaus Simon bereits dokumentiert. Die Höhensiedlung wird von drei Seiten von der Trieb umflossen. Sie nimmt einen Platz von 4,5 Hektar ein. Seit der Jungbronzezeit und bis in die Späthallstatt- und Frühlatènezeit sind Funde vom Eisen- bergwall vorhanden. Der Eisenberg ist nicht kontinuierlich von 1000 bis 500 v. Chr. besiedelt gewesen. Jüngste Un- tersuchungen haben sich dem mittelurnenfelderzeitli- chen Keramikmaterial nochmals gewidmet. Die befestigte Siedlung war der Besiedlungsmittelpunkt des Vogtlands in der Bronzezeit. Eine direkte Beziehung zwischen der Zerstörung des Walls auf dem Eisenberg und dem Lie- bauer Grab kann damit vermutet werden. Das Durchqueren der Wälder und der Kleinkuppen- landschaft erbrachte für das mittlere Vogtland eine Reihe von Grabhügeln. Sie legen auch Zeugnis ab über die bronzezeitliche Besiedlung und Bestattungsriten während der Vorzeit. Dies lässt sich unter anderem an den Hügelgräbern von Plauen-Chrieschwitz auf dem Flurstück An der Krähenleithe ableiten. Dort fand Haase zahlreiche Funde aus der Mittel- und Jungbronzezeit. Die von ihm zutage geförderten mehr als 30 Gefäße und einige Bronzen gehörten zu einem Grabverband mit Lei- chenbrandresten. Die Besiedlung des Dobnagaus um Plauen ↥ Älteste bekannte Gesamt- darstellung Plauens im Epitaph für Burggraf Hein- rich IV. von Meißen aus dem Hause Plauen (†1554), Kopie nach dem verlorenen Original Wolfgang Krodels von 1562 (Ausschnitt) Vogtlandmuseum Plauen, Repro Uwe Fischer 1000–500 v. Chr.
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