Leseprobe

66 Annegret Michel, Jean-Marie Welter, Christoph Franzen, Ehrenfried Zschech An dem runden Steinsockel in der Mitte des Reigens ist Mozarts Name in vergoldeten Buchstaben zu lesen. Auf der Rückseite des Brunnens wurde eine Bronzetafel mit der Stif- terinschrift »Errichtet vom Mozartverein zu Dresden 1907 auf Anregung seines ersten musikalischen Leiters Alois Schmitt« angebracht. Sie wurde jedoch 1923 gestohlen und die Inschrift später in den Kalkstein gemeisselt. 7 Am 16. Juni 1907 wurde das Denkmal in Anwesenheit von Mitgliedern der königlichen Familie feierlich übergeben. Ho- saeus schrieb in seinen Memoiren, offenbar wenig begeistert: »Eine große, dicke, goldene Medaille war die äußere Anerken- nung. Besagte Medaille war aber so wenig schön, dass ich sie spornstreichs zum Zahnarzt trug, sie eigenhändig einschmolz und mich damit begnügte, dass das beim Zahnarzt verbliebene Gold bildhaft bedeutete, dass viele Menschen meine Anerken- nung dauernd im Munde führten.« 8 Die folgenden zeitlichen Ereignisse wurden aus den Akten der Archive des Dresdner Kulturamtes und des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen rekonstruiert und sollen dazu bei- tragen, die heute auftretenden Oberflächenschäden besser zu verstehen. 9 Erste Defekte an der Ölvergoldung wurden dem Mozartverein im Jahr 1923 gemeldet: »Eine Besichtigung hat ergeben, dass sich das Denkmal in wenig gutem Zustande be- findet. Die Vergoldung ist zum großen Teil verschwunden, sodass die Figuren fleckig und deshalb sehr unerfreulich wir- ken.« 10 Mitte der 1920er-Jahre wurde eine Neuvergoldung vor- genommen. Sie wurde in der gleichen Technik wie die erste Vergoldung (Bleimennige Pb 3 O 4 und Ölanlegemittel) ausge- führt und auf der ersten Vergoldung aufgetragen, ohne diese zu entfernen. Diese doppelte Vergoldung ist noch an der ursprüng- lichen Statue »Ernst« im Dresdner Lapidarium vorhanden. Daher sind in der mikroskopischen Abbildung eines Quer- schliffs durch die Vergoldungsschicht zwei übereinanderliegen- de Schichtstapel zu erkennen (Abb. 3) . Wie sich diese Neuvergoldung bewährte, ist unbekannt, denn bei den schweren Luftangriffen auf die Dresdner Innen- stadt im Februar 1945 wurde auch der Mozartbrunnen schwer getroffen und die Bronzestatuen wurden stark zerstört. Sie wa- ren in einzelne Teile zerbrochen, das Brunnenbecken beschädigt und der Steinsockel umgestürzt (Abb. 5) . Besonders stark beschädigt war die Statue »Ernst«. Die gro- ßen Bemühungen, die zerbrochenen und zerschossenen Teile mit Flicken, Schrauben, Rückformungen wieder zusammenzu- fügen, kann man heute an der ursprünglichen Figur im Dresd- ner Lapidarium sehen (Abb. 6) . Nur ein kompletter Neuguss konnte sie schließlich ersetzen. In den 1950er-Jahren gab es bereits Bemühungen der Stadt Dresden, den Brunnen wieder aufzustellen. Die beschädigten Bronzeplastiken und der Sockel wurden geborgen. Teile des Mozartbrunnens wurden provisorisch in den Brunnen »Stür- mischen Wogen« am Dresdner Albertplatz integriert. Dank der Bemühungen eines städtischen Mitarbeiters ge- lang es, mit dem in Berlin lebenden Hosaeus Kontakt aufzu- nehmen, der ein kleines Gesamtmodell des Brunnens und zum Glück ein 1:1-Modell der Plastik »Ernst« aufbewahrt hatte. Er überließ die Gipsmodelle der Stadt Dresden. 11 Diese Gipsmo- delle wurden durch den Dresdner Formermeister Pietsch von Berlin nach Dresden transportiert und der Kunstformerei Weig- mann übergeben. 12 Abb. 3 Querschliff-Befund der historischen Beschichtung der alten Figur »Ernst«. Auf der Bronzeoberfläche sind je zwei Grundierungs- schichten unter zwei Goldbeschichtungen nachweisbar. Das dünne Blattgold ist im Querschliff nicht zu sehen. 1 Kupferoxide aus der Bronzeoberfläche 2 erste Grundierungsschicht der 1. Vergoldung, vermutlich Bleimennige 3 zweite Grundierungsschicht der 1. Vergoldung, vermutlich Bleimennige 4 Anlegeöl der 1. Vergoldung (in der UV-Fluoreszenz starke Markierung), darüber 1. Vergoldung 5 erste Grundierungsschicht der 2. Vergoldung, vermutlich Bleimennige 6 hellgelbe Farbschicht (Ausmischung von Gelb- bzw. Ockerpigment mit Zinkweiß, Zinkweiß als »Sternchen« gut erkennbar in der UV-Fluoreszenz) 7 gelb gefärbtes Anlegeöl der zweiten Vergoldung (starke UV-Fluoreszenz) mit 2. Vergoldung Abb. 4 Querschliff-Befund der aktuellen Beschichtung der neuen Figur »Ernst«. Auf einer in drei Schichten als Grundierung auf- getragenen gelben Alkydharz-Farbe liegt eine Blattgoldschicht. Das Anlegeöl zeigt stakte UV-Fluoreszenz (rechter Bildteil).

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