Leseprobe

gepasst. Ob diese Gemälde als Kaufofferte für Galerien und Kunstsammler oder aber als Präsente dienen sollten, ließ sich in den überlieferten Archivalien bisher nicht nachweisen. Bei den kleinformatigen Kunstwerken lässt sich das ge­ samte Spektrum bevorzugter Sujets finden: Landschaften, Berge, Stadt- und Hafenszenen dominieren auch hier die Bildwelt. Bemerkenswerterweise zeichnen sich diese Werke durch einen hohen Abstraktionsgrad und eine flächige Ver­ einfachung der Darstellung aus. Diese Gemälde und Aqua­ relle zeigen, dass Heinsohn mit der veränderten Gestal­ tungsweise der Moderne nicht nur vertraut war, sondern diese zusammen mit seiner Kunst entwickelte. Dabei ließ er die vom Impressionismus und vom französischen Realis­ mus geprägte Bildauffassung hinter sich und fand zu einer von Farbe und formaler Vereinfachung gekennzeichneten Malweise. Eine Datierung lässt sich weder bei den Ölgemälden noch bei den Aquarellen vornehmen. Eine Ausnahme ist die Arbeit Hz 067, hier sind auf der Rückseite die Jahreszahl 1920 und die Bezeichnung »Dolomiten« vom Künstler selbst vermerkt. Aufzeichnungen oder Tagebucheintragungen, wie sie von an­ deren Künstlern bekannt sind, existieren bei Heinsohn nicht oder sind nicht mehr vorhanden. Der Vergleich mit anderen Werkgruppen zeigt deutlich die Veränderungen in Komposi­ tion, Bildaufbau und Farbgebung. Bei den Aquarellen bestim­ men häufig Transparenz und Leichtigkeit die Gestaltungs­ weise; sie verleihen den Arbeiten eine heitere Ausstrahlung. Neben reinen Farben verwendete Heinsohn auch tonige Nu­ ancen von Grün und Blau. Wirkungsvoll bezog er die Farbe des Papiers in die spannungsvolle Komposition mit ein. Auch die kleinformatigen Aquarelle sind – bis auf wenige Ausnahmen – alle signiert und somit als fertige, eigenstän­ dige Arbeiten zu werten. Die Bildträger scheinen für das ent­ sprechende Motiv zugeschnitten zu sein. Heinsohn nutzte die gesamte Fläche für die Darstellung seiner Motive. Auf den Rückseiten befinden sich gelegentlich Hinweise auf den Ort der Entstehung, manchmal auch eine zusätzliche Signa­ tur und das Geburtsdatum des Künstlers. Vermutlich verschenkte Heinsohn die gerahmten Aqua­ relle an Familienmitglieder. Anders als bei den Gemälden nutzte er für die Arbeiten auf Papier schlichte schwarze Holz­ rahmen und verzichtete auf ein Passepartout. Das umfangreiche Konvolut an kleinformatigen Arbeiten lässt den Eindruck entstehen, es hätte sich dabei um Vor­ lagen für großformatige Gemälde gehandelt; von Aquarellen wie JUNGFERNSTIEG MIT DER ST. PETRI KIRCHE oder IN DEN BERGEN existieren auch Ölgemälde. Allerdings ent­ falten die Werke in ihrer abstrahierten Skizzenhaftigkeit auch im Kleinstformat einen ganz eigenen künstlerischen Reiz, der bei Zeitgenossen von Heinsohn nicht zu finden ist. The entire spectrum of his preferred subjects can be found in these small format art works—landscapes, mountains, urban and port scenes predominate. Remarkably, these works are characterised by a high degree of abstraction and a two-dimensional simplification of the rendering. The paint­ ings and watercolours show that Heinsohn was not only fa­ miliar with the changed painting techniques of the modern­ ists, but also further developed them together with his art. In doing so, he left the concepts of impressionism and French realism behind him and discovered painting tech­ niques influenced by the use of colour and the simplification of form. Neither the oil paintings nor the watercolours are dated. An exception is the work Hz 067. Here, the year 1920 is marked on the back along with the indication “Dolomiten” written by the artist himself. In contrast to other artists, logs or journal entries of Heinsohn’s do not exist, or were lost. A comparison with other groups of his works clearly shows his developments in composition, design, and colouration. The design of the watercolours often features transparency and lightness; they lend the works a cheerful radiance. In addition to pure colours, Heinsohn also used clayey nuances of green and blue. He effectively incorporated the colour of the paper into this exciting composition. The small format watercolours are—with few exceptions— all signed and thus can be regarded as complete, independ­ ent works. The picture medium seems to be tailor-made for the motif depicted. Heinsohn used the entire surface for the rendering of his motifs. On the reverse sides, there are occa­ sional indications of the location where it was painted, some­ times with an additional signature and the artist’s birthdate. Heinsohn probably gave the framed watercolours to fam­ ily members as presents. In contrast to the paintings, he used a simple black wooden frame without a passe-partout for the works on paper. This comprehensive collection of small format works con­ veys the impression that they were models for larger format paintings, since there are also oil paintings of the watercol­ ours JUNGFERNSTIEG MIT DER ST. PETRI KIRCHE and IN DEN BERGEN. However, these works with their abstract sketchiness have their very own artistic charms, even in this tiny format, not found in Heinsohn’s contemporaries. TRANSLATION: DANIEL COSTELLO

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