Leseprobe
029 Aber auch die Varietévor stellungen der Amerikanerin Loïe Fuller (Marie Louise Fuller, 1862–1928), die mit ihren Schleiertänzen »in der Art« der Salome das Publikum »ver- führte« (vgl. Kat. 3), faszinierten den Maler, obwohl Fuller sich nicht entblößte. Slevogts Tänzerinnen verkör- pern verschiedene Stadien der Nacktheit und der Bewegung im Tanz. Die Frau in Silber ist dem Betrachter zugewandt, aber in sich versunken – sie gibt sich ganz dem erotisierenden Schlei- ertanz hin, ohne ihr Gegenüber in den Blick zu nehmen. – 1 Frankhäuser/Krischke/ Paas 2007, S. 11. Ihr halbdurchsichtiger Schleier, in metallischen Grün- und Sil- bertönen gehalten, kontrastiert mit dem expressiven Gesichts- ausdruck und den dunklen Haaren. Die Tänzerin in Grün , für die Mitte des Triptychons vorgesehen, lächelt den Be- trachter kokett an. Gleichzeitig öffnet sie sich ihm in vorge- beugter Haltung und präsen- tiert ihren fast nackten Körper, nur ein hauchdünner Schleier umspielt diesen. Wieder anders erscheint die in ein goldglän- zendes Gewand gehüllte dritte Tänzerin. Ihre sich abwendende Haltung mit dem fast ins Profil gedrehten Gesicht und die Ge- schlossenheit der Körperkontur wirken dominant. Mit beiden Händen hält sie einen Stab hinter ihrem Nacken ver- schränkt. Ihr Gebärden lässt sich frivol-erotisch deuten. In ihrer dunklen Farbigkeit entsprechen die Tänzerinnen ganz der frühen Phase in Slevogts Schaffen. Die Gold- effekte und Pinselstriche erin- nern gerade bei der goldenen Tänzerin an Rembrandts Spät- werk, das sich durch einen pastosen Farbauftrag und die starke Haptik der Stoffe aus- zeichnet. – RS Tänzerin in Grün – 1895 – Öl auf Leinwand – Maße unbekannt – verschollen –
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