Leseprobe

137 U L F DRÄG E R Medaillen: Schaustücke und Meditationen Die Künstlerin nennt sie Medaillen, Tauftaler, Neugeld, Porträtscherben oder »plastische Selbstge- spräche«. Es sind kleine Denkmale, Schaustücke und Meditationen. Sie sind Ehrungen und Aus- zeichnungen, sie erinnern an Ereignisse, Erlebnisse und Personen – und sie mahnen empfindsam und poetisch. Sie sind für das Zugreifen mit der fühlenden Hand gemacht. Der individuelle Guss in Metall provoziert variantenreiche Serien eines Motivs, das sich in Ausdruck und Charakter immer wieder wandelt. Den sprichwörtlichen zwei Seiten fügt die Künstlerin weitere hinzu. Die äußere geometrische Begrenzung ist zugunsten amorpher Fragmentierungen aufgegeben; der modellierte Aufbau von Strukturen auf einem festen Grund wird durchbrochen. Dynamisch, expressiv und mit- unter eruptiv sind die statischen Einengungen der speziellen Kunstgattung Medaille über Bord geworfen. Die archaisch anmutende Unvollkommenheit ist ein Stilmittel. Porträts sind zu Charak- teren verdichtet. Figurationen bannen sinnbildhaft kommunikative Kräfte im menschlichen Mitei- nander in erdachten und überhöhten Szenen. Ikonografische Neudefinitionen kennzeichnen viele Bildideen. √ JOSEPH MATTERSBERGER | 2011 Porträtscherben, Eisen, 13,9 × 10,5 × 0,2 cm DER ANFANG VOM ANFANG ODER TENGENENGE | 1993 aus: Edition KunstGeld, Bronze, 5 × 5 × 0,5 cm VERBOTENE FRÜCHTE | 1993 aus: Edition KunstGeld, Bronze, 5,5 × 5,3 × 0,9 cm TAUFTALER FÜR FRANCA WI LDHAGEN | 1998 Bronze, Durchmesser 9,2 cm Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Seite 134/135

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