61 1850 bis 1867 Lübeck 1850 Johannes Gotthard Kühl (seit den 1890er Jahren Gotthardt Kuehl) wird am 28. November als Sohn von Simon Heinrich Kühl und Henriette Caroline Margaretha Kühl (geb. Borgwaldt) in Lübeck geboren. Er ist das vierte von insgesamt fünf Kindern. Der Vater ist Organist und Küster an der protestantischen St.-Lorenz- Kirche sowie Lehrer an der angeschlossenen Elementarschule. Die Familie ist bereits seit drei Generationen in Lübeck ansässig. Seine Mutter stammt aus dem mecklenburgischen Lübz und war die Tochter eines Matrosen. Die Familie wohnt im Schulhaus der St.-Lorenz- Kirche. 1850 bis 1865 Gotthardt Kuehl verlebt die Jahre seiner Kindheit in Lübeck. Er geht bei seinem Vater in die Schule und schließt 1865 die Elementarschule ab. 1865 bis 1867 Der junge Gotthardt Kuehl besucht die Kaufmannsschule (Handelsschule) für zwei Jahre. Er soll eigentlich Lehrer werden, möchte aber seinen künstlerischen Neigungen nachgehen. Kurzzeitig überlegt er, Baumeister zu werden, entschließt sich dann aber für die bildende Kunst. Seine ersten künstlerischen Anregungen entnimmt er dem Stadtbild seiner Heimatstadt Lübeck: enge Gassen, dunkle Dielen und Treppenhäuser werden mehr oder weniger stets seine Motive und Themen bleiben. In den Jahren 1866/67 reist Gotthardt Kuehl zu seiner älteren Schwester Wilhelmine Dorothea, die in Dresden mit dem Kunstgärtner Richard Otto Castelli verheiratet ist und in Dresden-Johannstadt in der Blasewitzer Straße wohnt. 1867 bis 1870 Dresden 1867 Am 23. April wird Gotthardt Kuehl als Stipendiat an der Königlich Sächsischen Akademie der Bildenden Künste aufgenommen. Seine Lehrer in der Unterklasse (Kopiersaal) sind Robert Eduard Bary, Karl Gottlob Schönherr, Ludwig Kriebel. 1868 20. April: Aufnahme in die Mittelklasse (Gipssaal). Seine Lehrer sind hier Johann Carl Baehr, Carl Wilhelm Schurig, Christian Friedrich Gonne. Er zeichnet Aktstudien »nach dem Leben«. Zwei Gotthardt Kuehl Selbstbildnis von 1902 Offsetdruck nach dem Gemälde WVZ 469 Städtische Galerie Dresden – Kunstsammlung, Museen der Stadt Dresden, Inv.-Nr. 1981/k 1091 Biografie seiner Zeichnungen sind 1869 in der jährlich veranstalteten Akademischen Kunstausstellung in der Abteilung »Schülerarbeiten der mittleren Klasse« vertreten. Gotthardt Kuehl nimmt außerdem am Landschaftszeichen bei Ludwig Richter teil und gehört zu dessen letzten Klassenschülern. 1869 1. November: Kuehl wird in die Oberklasse versetzt. Seine Professoren im Aktsaal sind Julius Hübner, Carl Peschel und Theodor Grosse und imMalsaal Adolf Erhardt. Kuehl fühlt sich allerdings wenig gefördert und inspiriert und beschließt, vermutlich von einer Reise nach München zur dortigen ersten Internationalen Kunstausstellung angeregt, in das künstlerisch aufgeschlossenere und freiere München zu ziehen – ohne in Dresden noch ein Meisteratelier zu besuchen. 1870 bis 1879 München 1870 Am 17. August erfolgt laut Matrikelbuch Kuehls Abgang von der Dresdner Akademie. Wilhelm Diez (seit 1893 von Diez), ein Vertreter des Kolorismus und in München Wegbereiter vom Historismus hin zu Impressionismus und Jugendstil, wird als Lehrer an die Münchner Akademie der Bildenden Künste berufen. Sein Unterricht ist beliebt und gefragt. Am 24. Oktober beginnt Kuehl sein fortgesetztes Studium in München in der Komponierklasse bei Wilhelm Diez. Auch Wilhelm Trübner, Ludwig von Herterich, Ernst Zimmermann, Frank Duveneck u. a. schreiben sich bei Diez ein. 1873 Kuehl ist Mitbegründer der Münchner Künstlergesellschaft Allotria, ein Zusammenschluss jüngerer Künstler, vorwiegend Schüler vonWilhelmDiez, als Opposition zur Münchner Künstlergenossenschaft. Gotthardt Kuehl reist mit Heinrich Zügel zur Weltausstellung nachWien. Hier wird sein erstes großes Gemälde Leihanstalt von 1872 gezeigt. 1874 Im Zeitraum von Juli bis September findet ein Dresden-Besuch Kuehls statt. Sein Gemälde Im Forsthaus wird auf der Akademischen Kunstausstellung präsentiert. Spätere Einreichungen werden bis in die 1880er Jahre in Dresden häufig zurückgewiesen werden.
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