Leseprobe

62 1875 Reise nach Lübeck anlässlich des Todes seiner älteren Schwester Catharina Sophia. Gotthardt Kuehl verlässt die Diez-Klasse und lebt als freischaffender Künstler in München. 1876 Kostümentwürfe für ein großes Münchner Künstlerfest. Auch in den folgenden Jahren beteiligt er sich an der Ausgestaltung der Waldfeste der Diez-Klasse auf Schloss Schwaneck. 1878 Gotthardt Kuehl reist (vermutlich) zur Weltausstellung nach Paris. Er trifft den Kunsthändler Goupil, der ihn mit der Anfertigung von Gemälden im Stil des Malers Mariano Fortuny beauftragt. Paris fasziniert ihn und hält ihn fest. Verleihung einer silbernen Medaille in London. 1879 Teilnahme mit drei Gemälden an der Internationalen Kunstausstellung in München. Kuehl sieht hier Werke französischer Maler wie Millet, Manet und Bastien-Lepage, die seinen Entschluss, München zu verlassen und nach Paris überzusiedeln, beflügeln. Auch andere wichtige Künstler wie Uhde und Trübner verlassen München via Paris. Duveneck und seine Anhänger ziehen vom oberbayrischen Polling nach Venedig. 1879 bis 1889 Paris 1879 Gotthardt Kuehl ist in Paris (vermutlich auch schon imVorjahr 1878). 1880 Gotthardt Kuehl wohnt in der Rue de Larochefoucauld 64 im 9. Arrondissement. Um ihn sammeln sich die in Paris lebenden deutschen Künstler. Regelmäßiger gemeinsamer Treffpunkt ist das Restaurant »Rat mort«, das sich in der Nähe von Kuehls Atelier befindet. Kuehl ist mit zwei Gemälden im Pariser Salon vertreten. Reisen in das er ersehnte Holland, nach Lübeck und Lüneburg. 1881 Reisen nach München, Dresden und Prag. 1882 und in den folgenden Jahren: Reisen in die Niederlande (u. a. nach Dordrecht und Katwijk, wo sich auch Max Liebermann in den Sommermonaten aufhält). Kuehl findet Motive, die auch noch viele Jahre seine bevorzugten Sujets bleiben werden: Hafenbilder, Fischerkaten, badende Knaben, Dorfstraßen und Gassen, Mädchen in genrehaften Interieurs, Innenräume im Gegenlicht. 1883 Gotthardt Kuehl wird in Paris endgültig zum Freiluftmaler. Er malt in den Straßen der Stadt, an den Kais. Die Brücke als Thema taucht erstmals auf und findet Eingang in Kuehls Werk, ein Motiv, das er über zehn Jahre später in Dresden prominent und immer wieder aufgreifen wird. Es folgen Reisen nach Lübeck und nach München. Auf der Münchner Internationalen Kunstausstellung ist Kuehl mit drei Gemälden und einem Pastell vertreten. Die Diez-Schule findet umfangreiche Beachtung. Kuehls Hinwendung zur Freiluftmalerei hingegen wird in München mit Skepsis und Abwertung bedacht und verspottet. 1884 Am 3. Januar stirbt Kuehls Mutter. Kuehl reist daraufhin nach Lübeck und nach Lüneburg. Er malt sein erstes großes Milieubild Nähende Waisenmädchen in Lübeck. Zahlreiche Arbeiten zumWaisenhaus-Thema werden folgen. Kuehl knüpft mit dem Aufgreifen dieser Thematik an Liebermann an, wird aber gleichzeitig zum Mittler und Richtungsweiser für den Einzug moderner französischer Einflüsse und Vorbilder in die zeitgenössische deutsche Malerei. 1885 Erneute Holland-Reise. Kuehl malt Ausblicke aus seinem Atelier. 1886 Vermutlich begegnet Kuehl in Paris Lovis Corinth (1884 bis 1891 ebenfalls in Paris), der 1897 in München Kuehls ehemalige Wohnung beziehen wird. Reise nach München. Hier malt er in der Johann-Nepomuk-Kirche. Nach 1900 werden unter Aufnahme von Einflüssen von Adolph Menzel und der französischen Maler noch weitere Interieurs süddeutscher Barockkirchen (wie Birnau am Bodensee, Maurach, Überlingen und Salzburg) entstehen. Es entstehen mehrere Bildnisse des Vaters, wie er an der Orgel der Lübecker Lorenz-Kirche mit Chorknaben probt und musiziert. 1887 Gotthardt Kuehl stellt im Pariser Salon aus. Von Carl Bantzer eingeladen, ist Gotthardt Kuehl auch wieder in Dresden mit acht Arbeiten auf der Ersten Internationalen Aquarellaus­

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