Leseprobe

20 (Anja Kaninck, Andreas Möller), aber auch in künstlerische Installationen (Annette Reher) umgesetzt. Wie immer sind allerdings die Grenzen in Bezug auf die Frage »Was ist funktional?« je nach Betrachtungsweise fließend. Eine direkte formale Verarbeitung fanden auch viele Exponate der Sammlung selbst, sowohl in gleicher Funktion als auch in gleichem Material. Gefäße aus Edelmetall, die die bis heute aktuelle Tradition sehr qualitätvoller Handwerkskunst in diesem Zweig in der Hansestadt demonstrieren, wurden in zeitgemäße Formen übersetzt (Claudia Christl, Kathrin Heinicke, Jan Wege), manchmal auch ironisch gebrochen oder in anderem Material wie Keramik, Plastik und Papiermaché gespiegelt (Michaela Alt, Uwe Krause, Susanne Schwarz). Rüstungen wurden zu Kleidern (Marina Krog) und Helme zu Hüten (Asét Bogaty) umgedeutet. Möbel wurden in moderne Varianten gebracht (Hendrike Farenholtz, Gunter König), insbesondere der Nachbau eines barocken Tisches, der Vorlagen aus dem 17. Jahrhundert folgt, war mehrfach Anknüpfungspunkt. Ein Reisesekretär mit seinen zahlreichen Fächern inspirierte zu Schatullen aus Pappe und Papier (Sigrid Vollmer). Bisweilen sind Form- und Farbeindrücke historischer Exponate noch freier reflektiert – eine Grabplatte diente als Vorlage für einen Teppich (Samira Heidari Nami), indem die Gravuren und Spuren der Zeitläufe im Stein zu Ornamenten werden. Während des großen Hamburger Stadtbrandes von 1842 zerschmolzene Gefäße aus Glas und Porzellan wurden in Metall nachgebildet Zusammenklappbarer Reisesekretär, Mahagoni und Messing, 1. Hälfte 19. Jahrhundert. Schatullen-Objekt von Sigrid Vollmer (2022), Graupappe, Gewebe, Unikatpapier.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1