Leseprobe

12 1994 Geruch von frischem Wandkalk auf die Straße, die Dunstwolken buddhistischen Räucherwerks, gekochten Weißkohls und uringetränkter Holztreppen verdrängend ...« beschreibt Hartmut Landgraf in der DNN den Zustand des Dresdner Szeneviertels. Er schreibt aber auch, dass »... rund 70 Prozent der Einwohner teils bis vollkommen unzufrieden mit der Bausubstanz der Häuser und der Sauberkeit im Viertel sind ...« Unabhängig davon ist das Interesse von Bildungsurlaubern und Architekturbüros an den geführten Spaziergängen groß, die das Neustädter Reisebüro »Igel-Tours« durch das Viertel anbietet. ▅ In der Kulturetage Prohlis zeigt Gudrun Nützenadel bis Ende Februar über 30 ihrer Landschaftsbilder. Manche ihrer Werke seien »Tageblätter«, so die Künstlerin. Sie geben Auskunft über das alltägliche Leben der Künstlerin und ihre inneren, seelischen Vorgänge. ▅ Ziemlichen Ärger gibt es um den Studentenclub Bärenzwinger in den Gewölben an der Brühlschen Terrasse. Der Freistaat Sachsen und die evangelisch-reformierte Gemeinde diskutieren über einen neuen Mietvertrag. Dieser ist notwendig geworden, nachdem der Freistaat Restitutionsansprüche geltend macht. Es wird augenscheinlich eine gute Lösung gefunden – 25 Jahre später existiert der »Bärenzwinger« noch immer. Für Generationen von jungen Dresdnerinnen und Dresdnern geht es seit der Eröffnung 1967 zumAbtanzen in den beliebten Studentenclub. ▅ Als Bereicherung der Dresdner Kunst- und Kulturszene sowie als Treffpunkt für Frankophile hat Direktor Marc Signol das Französische Kulturzentrumetabliert. Ende Januar wird das dreijährige Bestehen gefeiert. Aus diesemAnlass sind Arbeiten von Stefan Plenkers zu sehen. Das Französische Kulturzentrum steht für Verlässlichkeit: Auch 25 Jahre später ist es noch unter der gleichen Adresse zu finden. ▅ Die Galerie Concorde auf der Königsbrücker Landstraße zeigt eine repräsentative Werkschau des in Großenhain geborenen Künstlers Heinz Ferbert. Extra für die Ausstellung hat er mit seinen speziellen Mischtechniken vier »Objektstühle« als collagenartigen Kunstwerken geformt. ▅ Unter dem sperrigen Titel »Die Schwarzenburger Werkstätten für Porzellankunst Unterweißbach« zeigt die Porzellansammlung des Zwingers bis 6. April einen aus 14 Einzelfiguren bestehenden Jagdtafelschmuck. Geschaffen hat ihn Otto Thiem, ein an der Dresdner Kunstakademie ausgebildeter Bildhauer. Die Figuren und Gruppen stellen detailgenau den Jagdzug des Fürsten Günther Victor zu Schwarzburg-Rudolstadt und Sondershausen, dessen Verwandte und Jagdfreunde dar. Von den Figuren sind jeweils nur wenige Stücke ausgeformt. Sie gelten als Jahrhundertwerk des Thüringer Porzellans und wurden 1912 auf der Großen Kunstausstellung in Dresden gezeigt. ▅ Unter dem Titel »Stoff« zeigt die Galerie AutogenWerke von Stefan Nestler. Seine Installationen haben die

RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1