Leseprobe

82 1994 Kunst in Dresden 1994 – wie war das? Die Dresdner haben immer irgendwo ihr eigenes gemacht. Hier war eine gemäßigte Zone. Sachsen wurde vom ZK (Zentralkomitee der SED) immer scheel angesehen, selbst im Politbüro, weil die Sachsen ihr eigenes Ding machten. Der Sachse hatte immer ein Alleinstellungsmerkmal. Wir hatten keine Dummies, keine Apparatschiks hier. Letztendlich ging die Wende auch von Sachsen aus, von Leipzig. Hinzu kommt, dass die Kunstszene hier immer ein Fundament, eine Basis hatte. Dias ließ einen nicht so schnell erschüttern. Es war hier nicht so progressiv wie Chemnitz, dafür waren wir in Dresden in einem ruhigen Fahrwasser, da gab es nicht nur die mit den hochgestreckten Fäusten. In der Bibliothek der Kunsthochschule konnte man sich alle westlichen Kunstzeitschriften ausleihen. Das hat sich auch in der Kunstszene fortgesetzt. Wer wollte, der konnte sich informieren. Aus meiner Sicht gab es hier in der Kunst keine Brüche, man konnte immer substanziell auf etwas aufbauen. Dresden hat auch immer seine Identität behalten. Wir hatten die Staatliche Kunstsammlungen, die Staatskapelle, den Kreuzchor, die Philharmonie und vieles andere. Wenn man uns das genommen hätte, dann hätte man auch unsere Identität genommen und vieles wäre anders gewesen. Ich habe mal in Potsdam gelebt und gesehen, was da passiert ist. Friedrich der Große durfte nur noch Friedrich der II. heißen, die Kanäle habe sie denen zugeschüttet und so weiter. Den Potsdamern hatte man die Identität genommen. Was wollten Sie für die Kultur der Stadt erreichen? Ich hatte hervorragende Mitarbeiter. Ich war der Dienstherr, aber meine Mitarbeiter kannten die Details, die Einrichtungen. Da sind dann so Sachen zustande gekommen wie die Technischen Sammlungen und wie das Kulturrathaus auf der Königstraße. Das wurde 1994 eröffnet. Was gab es da für Aufstände! Wozu braucht der ein Kulturrathaus? Als das Rathaus zu klein wurde für alle Dezernate, wurde gefragt, wer will denn hier raus? Da habe ich sofort »hier« gerufen, weg vomOB. In dem renovierungsbedürftigen Gebäude waren die Technischen Sammlungen untergebracht, die kamen dann ins Pentacon. Wir haben das Kulturrathaus daraus gemacht. Ich habe auch das Amt für Tourismus und Denkmalschutz gleich an Land gezogen. Durch meinen Vater, der Architekt war, hatte ich eine Beziehung dazu. Das sind Dinge, die sich ergeben haben. Das Gute war zu der Zeit, dass man die Dinge nur ordnen musste. Man musste nur wissen, was man wollte. In diese Zeit und in diese Konstellation passte ich auch mit meinen Qualifikationen oder Mängeln haargenau rein. Im März 1994 kam das endgültige Aus für die Stella-Kunsthalle ... Ich habe das Stella-Projekt abgelehnt, weil das aus meiner Sicht eine Blase war. Rolf Hoffmann hat sich ein Areal ausgeguckt, das der Stadt gar nicht gehörte. Hätten wir den Stella gewollt, dann hätten wir das Grundstück vom Land erwerben müssen. Dafür hätten wir Filetgrundstücke hergeben müssen.

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