Im Gespräch 83 Ich bin gewarnt worden von Werner Schmidt, dem Generaldirektor der Kunstsammlungen. Der hatte zumir gesagt, Leihgaben könne er bis unter die Decke haben. Die Leute hätten mal angefangen zu sammeln, dann sind die Künstler berühmt geworden und aus dem kleinen Vermögen ist ein riesengroßes Vermögen geworden. Dann stellt sich die Versicherungsfrage. Die Sammler sind heilfroh, wenn sie was im Museum unterbringen können. Da habe ich gesagt, Nachtigall ich höre dir trapsen. Ich habe keinen Nutzen für die Stadt gesehen. Man muss Dresden auch einschätzen, wozu Dresden fähig ist und wie es tickt. Das ist auch wieder das Dresdnerische, das Verhaftetsein, diese Identifikation. Das beste Beispiel dafür ist der Wiederaufbau die Frauenkirche. Das war eine reine Bürgerinitiative, anfangs war nicht mal die Kirche dafür. Ich habe mit meinem Vater gesprochen. Der war Architekturprofessor gewesen und hat mir gesagt, wer die Frauenkirche nicht erlebt und gesehen hat, der kann darüber nicht urteilen. Daraufhin habe ich mich für den Wiederaufbau engagiert und im Stadtrat den Beschluss zur finanziellen Unterstützung durchgesetzt. Wenn wir Sponsoren haben wollen aus aller Welt, dann schauen die zuallererst, was macht denn die Stadt dafür? Die wollen doch wissen, bekennt die sich zu dem Bau oder nicht? Im Oktober 1994 wurden Sie als Kulturdezernent abgewählt. Wie sehen Sie das heute? Das war eine schwere Zeit. Das kann jeder nachvollziehen, der sich mit Herzblut in eine Sache reingehangen hat. Ein weiser Mann hat mal gesagt, man sollte im Leben nicht auf die Erfolge zurückschauen, sondern vielmehr schauen, was einem nicht gelungen ist. Das bringt einen näher an den eigenen Weg heran. Ich habe ja nicht das große Geld verdient. Wir bekamen noch lange Zeit DDR-Geld, bis meine Frau Anne wütend wurde und gesagt hat, jetzt möchten wir aber auch mal Westgeld haben. Da hatten andere schon lange die D-Mark. Dass ich für die Zeit als Kulturdezernent keine Rente bekomme, ist auch dresdnerisch. Das ist die andere Seite von Dresden. Meinen Freund Bernd Seite, der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern war, habe ich gefragt, wie sie das machen. Dort wurden gleich alle verbeamtet und bekamen dann auch eine Rente für die Zeit ihrer Tätigkeit. Dafür hat sich übrigens Bundeskanzler Helmut Kohl auch eingesetzt. Durch die Wirrnisse der Zeit waren manche Leute nur kurze Zeit auf einem Posten. Die sind aus ihrem Beruf herausgerissen worden und dann sollten die dafür nichts bekommen? Aber in Dresden unterlag das der Genehmigung des Stadtrates, und die wollten nicht, dass der Göpfert pensionsberechtigt ist. Ich hätte dann eine kleine Rente für meine Zeit als Kulturdezernent bekommen. Aber der Dresdner hat es ja drauf zu sagen, Ihr bekommt das nicht. Alle in den neuen Bundesländern haben es bekommen, nur in Dresden nicht.
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