84 1994 Das Jahr 1994 brachte für Sie harte politische Auseinandersetzungen, die teilweise auch sehr persönlich waren ... Damit musste ich mich lange auseinandersetzen und ich habe mich gefragt, warum wurde so auf mir herumgehackt? Meine Erklärung dafür ist, dass ich ein ausgesprochener Individualist bin. Das war ich immer, auch zu DDR-Zeiten. In der DDR wurde jedoch Individualität nicht geduldet. Dieses Denken der DDR-Bürger hatten die Leute, die nach der Wende hier rangekommen sind, weiterhin. So haben sie weiter auf die Individualität draufgehauen; voll auf die 12. Für diese Mentalität unter neuem Namen, war ich wie rotes Tuch. Ich bin ja auch mit meinen Cowboystiefeln und mit meinen Schals herumgelaufen. Der Schlips hing immer hier unten. Als sich die Parteistrukturen verfestigt hatten, wollten die keine Individualität mehr. Man sollte sich einordnen und unterordnen, aber das funktioniert eben bei Künstlern und Individualisten nicht. Wie ging es dann für Sie weiter? Ich war 54 Jahre alt und habe Arbeitslosengeld bekommen. Dann fing ich an, wieder zu malen. Das habe ich schon in den 80er Jahren gemacht. Mein DDR-Plan war sowieso, sukzessive raus aus der Restaurierung zu gehen und immer mehr Malerei zu machen. Ich kann meiner Familie und meiner Frau Anne nur danken, dass sie das unterstützt haben. Anne ging wieder als Krankenschwester arbeiten und hat die ganze Familie getragen. Meine Frau hatte eine bedingungslose Art, so war ich nicht. Aber durch sie habe ich das kennengelernt und mir zu eigen gemacht. Diese Haltung und diese Stärke im Hintergrund, das hat mein Handeln geprägt. Und jetzt in die Gegenwart – wie schätzen Sie heute das Kunstleben in Dresden ein? Soweit ich es sehen kann, ist alles in gutem Fahrwasser. Ich war ja selber Künstler und Handwerker, deshalb konnte ich auch mit den Kulturschaffenden auch anders reden. Die haben auch gewusst, dass ich kein Beamter bin. Doch man muss auch sehen, wenn man sich früher als Künstler gegen das Regime gestellt hat, dann war es egal, ob die Kunst gut oder schlecht ist. Man hatte etwas, wogegen man sein konnte. Später hatten dann manche nichts mehr, wogegen sie sich stellen konnten. Plötzlich war keine Nachfrage mehr, es ging nur noch um die reine Kunst. Da ist doch machen die Bedeutung genommen worden.
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