November 95 Landschaftsmalerei und Freilichtstudien. Nun zeigt das Albertinum erstmals 93 Ölstudien und Gemälde sowie 40 Zeichnungen des gebürtigen Norwegers. Zusammengetragen hat sie Gerd Spitzer, Oberkonservator an der Galerie Neue Meister. Die Werke stellen jedoch nur einen Bruchteil der einst vorhandenen Arbeiten dar. Heute gilt Christian Friedrich Gille als »ein begnadeter Maler, wie es damals nur wenige in Deutschland gibt«, ist der Dresdner Kunsthistoriker Hans Joachim Neidhart überzeugt. Christian Friedrich Gille lebte vom Reproduktionsstechen, Vedutenradieren und Lithographieren. Seine große Leidenschaft, die Landschaftsmalerei, konnte er nur nebenberuflich ausführen. Gelernt hatte Gille den Umgang mit Farbe und die Technik der Ölstudien von dem großen Landschaftsmaler Johan Christian Clausen Dahl. ▅ Aus dem privaten Besitz seiner Nachfahren erhält das Kupferstich-Kabinett eine Reihe von Arbeiten des Künstlers Julius Schnorr von Carolsfeld. Zu der Mappe mit 17 bisher unbekannten Zeichnungen gehören auch 14 Blätter zur Bilderbibel des Künstlers. Die Schenkung ist eine bedeutende Bereicherung des bereits vorhandenen Bestandes. Julius Schnorr von Carolsfeld zählt zu den bekanntesten Vertretern der deutschen Romantik; hochgeachtet und europaweit berühmt, lebte er von 1846 bis zu seinem Tod 1872 in Dresden. Der Geburtstag des Malers der Nazarenischen Kunst jährt sich in diesem Jahr zum 200. Mal. Seine letzte Ruhe findet er auf dem alten Annen-Friedhof. »Die 100 besten Plakate des Jahres 1993« gibt es in diesem Jahr in der Kunstakademie auf der Brühlschen Terrasse zu sehen. 1965 rief ihn Klaus Wittkugel, bedeutendster Gebrauchsgrafiker und Plakatkünstler der DDR und langjährige Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, ins Leben. Seit 1990 findet der Wettbewerb gesamtdeutsch statt. Eingereicht wurden diesmal 742 Plakate. Dabei fallen besonders die Plakate für kulturelle Themen wegen ihres zahlenmäßigen Übergewichts und mit der gewohnt guten, vorrangig grafischen Gestaltung auf. ▅ Mit dem provokanten Ausstellungstitel »Ist Kunst recycelbar?« lenkt die Galeristin Wanda (Claudia Reichardt) den Blick auf eine spannende Frage des Kunstbetriebs und der Kunstgeschichte. Was tun angesichts des ständig wachsenden Kunstbergs? Wie geht eine Gesellschaft mit ihrer Kunst um? Es gibt private Sammler, Galerien, Museen, doch auch sie können nur einen Bruchteil des Entstandenen bewahren. »Das vorhandene Volumen an Kunst ist eigentlich nicht mehr rezipierbar. Damit verliert die Kunst eine ihrer wesentlichsten Funktionen, nämlich Öffentlichkeit herzustellen«, meint die Galeristin. Sie plant imMai 1995 ein Symposium zu dieser Thematik. Ein Aspekt dabei wird auch der Umgangmit der DDR- Kunst sein, die derzeit äußerst kritisch gesehen und häufig gar übersehen wird. Auf den vorgegebenen Ausstellungstitel findet die aus den USA stammende und in Berlin lebende Künstlerin Laura Leigh Bruce für sich eine Antwort: Sie zeigt in der galerie autogen Zeichnungen, die sie zerrissen und neu zusammengefügt hat. ▅
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