Pokale | Nautiluspokale | 299 Es wird von vier Spangen gehalten, die mit flachen Reliefs in Form von Hermen, Fruchtbündeln, Trophäen und Masken zwischen Rollwerkornamenten verziert sind. Die Bugspange endet in einem großen geflügelten Puttenkopf. Den Wirbel des Nautilusgehäuses bedeckt jeweils außen und innen eine grimmig die Zähne fletschende, fratzenartige Maske (Abb. 1). Der flache Deckel ist als Kopf eines Seeungeheuers mit seitlich abstehenden Flossen gestaltet. Oben als Abschluss trägt er auf einer Kugel eine kleine Fortuna-Statuette, der vermutlich ein zwischen ihren Händen gehaltenes, aufgespanntes Segel als Attribut abhandengekommen ist. Zuschreibung und Datierung Zur betreffenden Zeit lässt sich in Olmütz das Monogramm »KL« bzw. »LK« nur auf Lorenz Kaltschmidt beziehen, der dort zwischen 1582 und 1600 als Goldschmied tätig war. Ikonografie Die maritimen Szenen auf dem Fuß gehören zu den üblichen Dekorationselementen, die auf die Herkunft des Nauilusgehäuses aus dem Meer verweisen. Der in Form eines Seeungeheuers gestaltete Deckel rückt den Pokal in die Nähe der sogenannten Ungeheuermaul-Pokale (siehe Kat.- Nrn. 19, 22),1 bei denen allerdings der Nautiluswirbel zum Schädel des Monsters wird. Die weibliche Bekrönungsfigur in Gestalt der Glücksgöttin Fortuna hielt ursprünglich ein vom Wind geblähtes Segel und ist damit ebenfalls Teil der maritimen Ikonografie (siehe Kat.-Nr. 38). Bedeutung Obgleich Olmütz im 15. und 16. Jahrhundert ein wichtiges Handwerks- und Handelszentrum gewesen ist,2 sind von dort nur sehr wenige Silberarbeiten überliefert. Diese lassen kaum erahnen, dass in Olmütz allein im Laufe des 16. Jahrhunderts etwa 120 Goldschmiede tätig waren, die vom kirchlichen und weltlichen Adel zahlreiche Aufträge erhielten.3
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