Leseprobe

Pokale | Pokale mit Turbanschnecken und anderen Konchylien | 369 Bemerkungen zur Erhaltung Im Jahr 1724 erhielt Johann Heinrich Köhler den Pokal, um ihn in Vorbereitung für die Aufstellung im Grünen Gewölbe zu »repariren und auf[zu]färben [zu vergolden], auch alles mit EinlaßFarben« zu zieren.8 Reste seiner Farbfassung sind heute an verschiedenen Teilen des Stücks zu sehen. Es fehlt der Deckel, der den Gesamteindruck maßgeblich bestimmt hat (siehe Kat.-Nr. 47). TW Literatur Sponsel 1921, S. 100; R3, Nr. 4121 l; Sponsel 1925– 1932, Bd. I, S. 164, Taf. 45; Haenel/Holzhausen 1937, S. 54 (?); Dresden 1959, S. 78, Nr. C 70; Syndram 1997, S. 39; NGK 2007, Bd. I.1, S. 458, Nr. 989.02; Witting 2015, S. 29., Abb. 3 Anmerkungen 1 Der später eingesetzte Keil bei Kat.-Nr. 48 vergrößert den Pokal noch zusätzlich. Er war ursprünglich also etwas kleiner. 2 In diesem Kontext ist auf das am Grünen Gewölbe angesiedelte DFG-Projekt Ordnung und Aura höfischer Dinge. Die Dresdner Kunstkammer des 16. und 17. Jahrhunderts als Ort politischer Interaktion, dynastischer Memoria und fürstlicher Wissenspraxis zu verweisen. Dirk Weber forscht im Besonderen über die Exotika der Dresdner Kunstkammer. Seine Ergebnisse werden in der Abschlusspublikation des DFG-Projekts im Herbst/Winter 2024 erscheinen: Dirk Weber, Außereuropäische Zeugnisse und fürstliche Aneignungsprozesse im Spiegel der Dresdner Kunstkammer (Arbeitstitel). 3 Vgl. dazu auch: Schütte 2003, S. 221. 4 Hessen Kassel Heritage, Sammlung Kunsthandwerk und Design, Inv.-Nr. KP B II.14, Schütte 2003, S. 218–221, Nr. 49. 5 NGK 2007, Bd. II, S. 155, Abb. 120 (Privatbesitz). 6 Siehe auch dazu die aktuellen Forschungen von Dirk Weber, wie Anm. 2. 7 Witting 2015, S. 29 f. 8 Weinhold/Witting 2018 a, S. 139. Nikolaus Leiss (Meister um 1591, gestorben 1619) Augsburg, 1606–1610 Silber, getrieben, gegossen, ziseliert, punziert, graviert, vergoldet; Turbanschneckengehäuse, Perlmutterschicht Farbfassung: Grün auf dem Delfin H 15,7 cm; G 157 g Mz: NL ligiert mit Pfeil (Seling 2007, Nr. 1065 a) Bz: Pinienzapfen, unvollständig (Seling 2007, Nr. 0170 für 1606–1610) Marken am Fußrand eingeschlagene Nummer auf dem Fußrand: 671 Punzierung auf der Unterseite des Standrings: No. 32 14 l. Provenienz: erstmals erwähnt im Inventar der Kunstkammer von 1640; von dort 1724 in das Grüne Gewölbe gekommen Inv.-Nr. III 180 50 Kleiner Turbanschneckenpokal mit Putto Inventare S Inventar Kunstkammer 1640, fol. 119 r, 121 v III. In der dritten tresur seind allerley trinckgeschirr, auch meßer, löffel und gabeln von perlmutter schnecken, in vergüld silber gefast, verhanden. [...] 1 Klein perlnmutter schnecken in vergüldet silber eingefast von getriebener arbeit, so ein weis männlein, uf einem weißen silbern schnirckel stehende, tragen thut. Auf den deckel ein weißer strauß vogel. Wigt 14 loth. S Inventar Pretiosen 1725, fol. 189 v, 199 v – 200 r Folgen Diejenigen See Schnecken und Muscheln, auch Geschirre von Perl Mutter, so den 20. Septembr: 1724. aus der Kunst Cammer, zum Grünen Gewölbe, seind abgegeben worden als: [...] No: 32. [mit roter Tinte rechts daneben:] 32 / Ein derleichen Schneckgen, das Mundstückgen in vergoldt Silber etwas hoch eingefaßt, das Deckelgen getrieben Silber, und ein kleiner Vogel Strauß drauf, das Füßgen oval, auf welchen ein Delphingen und Kindgen, so darauf stehet, von weißen Silber, wieget – mark, 14 loth, – quent. / Not: An dem Schneckgen ist ein klein rund Stücken eingesezet. S Inventar Pretiosenzimmer 1733, S. 1061 No: 32. / Ein dergleichen Schneckgen, das Mundstückgen in vergoldt Silber etwas hoch eingefaßet, das Deckelgen getrieben Silber, und ein kleiner Vogel Strauß darauf, das Füßgen oval, auf welchen ein Delphingen und Kindgen, so darauf stehet, von weißen Silber, wieget – mark, 14 loth, – quent. / Nota. An dem Schneckgen ist ein klein rund Stückgen eingesezet. S Inventar Kaminzimmer 1818, S. 89, 117 No: 29. [mit Bleistift darunter:] 180 / Eine kleine Schnecke, als Trinkgeschirr, in vergoldet Silber gefaßt, auf ovalen Fuße, auf welchem ein Delphin und ein Kind, von weißen Silber; an der Seite der Schnecke ist ein Stück eingesezt. |: Der Deckel fehlt :| Wiegt – mark, 10 ¾ loth, – quent. [...] Sämtliche Schnecken und Perlmuttern von No: 1 bis 60. sind, auf Allerhöchsten Befehl, am 8ten. September 1724 aus der Kunstkammer zu dem grünen Gewölbe abgegeben worden. III 180 Bz Fuß III 180 Mz Fuß

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