384 | ����������� Beschreibung Der Pokal zeichnet sich durch eine variantenreiche und subtile Gestaltung aus, was sich besonders in den feingliedrigen Dekorationsformen niederschlägt. Auch der Wechsel von in Silber belassenen und vergoldeten Partien trägt zu diesem abwechslungsreichen Eindruck bei. Den zweistufigen Fuß ziert in der unteren Zone ein erhabenes akanthusförmiges Blattmotiv, das jeweils in einen Halbkreis eingeschrieben ist und von einer punzierten Fläche umschlossen wird. Der an die glatte Kehlung anschließende wulstförmige Abschluss ist von fein graviertem Blattwerk überzogen. Akzente bilden drei in Rollwerkkartuschen eingefügte Masken, sie unterscheiden sich lediglich in Details. Der nach unten abschließende Teil des Schaftes besteht aus einem dreipassigen Nodus, dessen in Weißsilber belassenes Mittelstück ursprünglich Tiefschnittemail geziert hat. Der eigentliche Schaft setzt sich zusammen aus einem konkaven glatten Teil und drei geflügelten Bocksfüßen, die mit einer Volute nach oben hin enden. Den Übergang zur Kuppa bildet ein aus Silber geschnittener Blattkranz auf punziertem Grund, der in einen reich verzierten Wulst mit erhabenem Blattwerk und Masken übergeht und von dem sich wiederum drei vollplastisch gearbeitete bekrönte Köpfe in der Art von Wasserspeiern wirkungsvoll abheben. Auch die Spangen mit geflügelten Hermen mit Fischleib, Bocksfüßen und Vögeln fügen sich vortrefflich in das Dekorationsschema ein. Die Kuppa der Kokosnuss zeigt drei Szenen aus dem Gleichnis des verlorenen Sohnes, so den Aufbruch (Abb. 1), sein Leben in schlechter Gesellschaft (Abb. S. 383) und den verlorenen Sohn als Schweinehirten (Lk 15,11–15). Im Boden der Kuppa ist eine vergoldete Silbermedaille mit dem Bildnis Christi und der Umschrift »EGO · SVM · IHESVS · A ET Ω« eingelassen (Abb. 2). Die Oberseite des flachen, in der Mitte weit hochgezogenen Deckels zeigt einen Groteskenfries mit Faunsköpfen zwischen Akanthusranken. Diese umspielen drei weit aus der Fläche herausgetriebene männliche Köpfe in Rollwerkkartuschen, welche möglicherweise die drei Lebensalter darstellen. Den Knauf bekrönt eine schlanke weibliche Figur in wehendem Gewand, die in der linken Hand eine Lanze hält und sich mit der rechten auf einen Schild stützt. Die Kokosnuss ist innen ausgekittet, was auf eine tatsächliche Verwendung als Trinkgefäß schließen lässt. Zuschreibung, Datierung und Vergleichsstücke Der Pokal wird seit Sponsel1 durchgehend als Nürnberger Arbeit aus der Mitte des 16. Jahrhunderts klassifiziert. Für diese Zuschreibung sprechen allgemein die scharf profilierten Ornamente und zudem bestimmte Dekorformen, wie die vollplastischen kleinen Köpfe.2 Diese erscheinen auch an frühen Straßburger Goldschmiedearbeiten des Diebolt Krug (Abb. 3).3 Frühe Augsburger Pokale weisen teilweise ebenfalls diesen Reichtum an unterschiedlichen Verzierungselementen auf (Kat.-Nr. 14), besitzen aber nicht die Scharfkantigkeit der Nürnberger Exemplare (Abb. 4). Abb. 3 Deckelpokal mit Bergkristall Diebolt Krug, Straßburg, um 1560 Silber, vergoldet, Bergkristall, H 28,3 cm Los Angeles County Museum of Art (LACMA), Inv.-Nr. Gift of Varya and Hans Cohn (AC1992.152.104a-b) Abb. 5 Der verlorene Sohn verprasst seine Habe aus Der verlorene Sohn (vier Blatt) Hans Sebald Beham, 1540 Kupferstich, H 5 cm, B 9,3 cm SKD, Kupferstich-Kabinett, Inv.-Nr. A 2721
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