418 | ����������� wohl Augsburg, 1670–1680 (vor 1682) Schnitzerei des Rhinozeroshorns: wohl süddeutsch, wohl 2. Drittel 17. Jahrhundert Silber, getrieben, vergoldet; Türkise, Granate, Karneole, Lapislazuli, Bergkristall, Email, Rhinozeroshorn,1 geschnitzt H 32,2 cm; G 500 g ohne Marken Provenienz: 1682 zur Kunstkammer gekommen, erstmals erwähnt im Inventar der Kunstkammer nach 1732; 1832 in die Rüstkammer abgegeben; von dort 1890 in das Grüne Gewölbe gekommen Inv.-Nr. IV 327 66 Rhinozeroshorn- pokal mit bekrönendem Putto S Inventar Eingangszimmer Historisches Museum 1838, fol. 31 r – 31 v No: 53. / Ein Becher in Form eines Kelches von Rhinoceroshorn, mit Deckel. Auf dem Becher sind Delphine und Meerwunder geschnitten und Deckel und Fuß sind in vergoldetes Silber gefaßt und mit Carniolen, Granaten und Landsteinen besetzt, / ist d. 19. Febr. 1682 zur Kunstkammer gekommen. [Bemerkung:] 1890 ins Grüne Gewölbe. S Inventar Silberzimmer 1879, S. 327 f. No: 327. [als Zugang 1890] / Deckelpokal aus Rhinoceroshorn, der Sockel und der Rand in silbervergoldeter und mit Farbsteinen besetzter Faßung. Der gewölbte Sockel wird durch Seeungeheuer gebildet, den Schaft bildet ein Putto mit einem Fisch, der kelchförmige Körper enthält Meeresgötter und Tiere in hohem Relief geschnitzt. Die Platte des Deckels enthält in flachem Relief geschnitzte, kämpfende Fische und darüber ein stehender Putto. Höhe 32 cm. Am 19. Februar 1682 zur Kunstkammer gekommen. S Inventar Zugänge 1890–1903, S. 1, 6, 22 Aus dem Königlichen Historischen Museum in das Königliche Grüne Gewölbe, bez. Münzkabinet wurden übergeführt: aus dem Eingangszimmer nach dem Inventar von 1838: [...] No: 53. / Ein Becher in Form ein [sic] Kelches, von Rhinoceroshorn, mit Deckel. Auf dem Becher sind Delphine und Meerwunder geschnitten und Deckel und Fuß sind in vergoldetes Silber gefaßt und mit Carniolen, Granaten und Landsteinen besetzt. / Ist den 19. Februar 1682 zur Kunstkammer gekommen. [...] Die vorstehend verzeichneten Gegenstände wurden im Dezember 1890 in das Kgl. Grüne Gewölbe überführt. Dr. Julius Erbstein. Beschreibung Der Pokal zeichnet sich durch einen geradlinigen, strengen Aufbau aus. Über einem glockenartigen Fuß und dem figürlichen Schaft erhebt sich eine konische Kuppa, die ein flacher Deckel mit einem Putto abschließt. Wie ein Band schmiegen sich die beiden silbervergoldeten Montierungen um den Fuß und den Deckelrand. Die schnörkellose, teilweise etwas grob ausgeführte Goldschmiedemontierung mit den gefassten Edelsteinen und den kleinen Emailperlen tritt hinter dem geschnitzten Rhinozeroshorn zurück, welche das Erscheinungsbild des Pokals maßgeblich bestimmt. Den Fuß zieren ineinander verschlungene Fische. Die Schaftfigur als Putto steht selbst auf einem Fisch und hält dessen Flosse in einer Hand. Mit der anderen greift er zu einem auf seinem Kopf befindlichen Fruchtkranz, der zusammen mit einem zweiten Kranz zur Kuppa überleitet. Deren reiche Reliefschnitzerei nimmt die Wasserikonografie des Fußes auf und fügt den die Basis akzentuierenden Fischen weitere Meereswesen hinzu. So tummeln sich auf dem Trinkgefäß Tritonen und Sirenen in unterschiedlichen Ausformungen, hornblasend oder mit einem Kind, sowie ein Hippokamp. Das verschlungene Fischmotiv, diesmal im Flachrelief, greift der Deckel auf der Außen- und der Innenseite auf. Analog zur Schaftfigur ist der bekrönende Putto als behäbig-dickliches Kleinkind gestaltet. Was er ursprünglich in seiner erhobenen Rechten gehalten hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, da die Inventare darauf nicht eingehen. Zuschreibung, Datierung und Vergleichsstücke Goldschmiedearbeit Der (ursprünglich wohl üppigere) Besatz der ungemarkten schlichten Silberfassung mit Edelsteinen und Emailperlen verweist auf Augsburg als Ort der Entstehung. Denn diese Goldschmiedemetropole war von den 1660er bis in die 1680er Jahre für ihre opulenten Montierungen von Gefäßen mit exotischen Materialien bekannt (Kat.-Nrn. 64, 65). Die nachlässig ausgeführten Steinfassungen, die unregelmäßige Struktur der Silberoberflächen sowie die Aufrauungen deuten darauf hin, dass die Goldschmiedemontierung nach der Fertigstellung viel geschlossener gewirkt haben musste. Vorstellbar wäre eine Anmutung wie bei dem noch etwas besser erhaltenen Emailbesatz auf dem Deckel des Lapislazulibechers mit kleinen türkisen und weißen Emailperlen, die dort mit andersfarbigen runden Perlen sowie kleinen Emailblüten kombiniert werden (Abb. 1, S. 699). Letztere haben sich beim vorliegenden Trinkgefäß wohl im Laufe der Zeit abgelöst, was zu dem fragmentierten Erscheinungsbild geführt hat. Inventare S Inventar Kunstkammer nach 1732, fol. 38 r Trinck-Geschirre von Rhinoceros-Horn, so in diesem Tresor, befindlich: [...] Ein klein Geschirr, mit Delphinen undt Meer-Wundern geschnitten, darauf ein Deckel sind daran Fuß und Deckel, in vergüldet Silber gefasst und mit Carnyolen, Granaten, und Land-Steinen versetzet ist in Form eines Kelches, Eingegeben den 19. Febr: / Anno 1682. 14. Zoll hoch. N: 6. S Inventar Kunstkammer 1741, fol. 44 v – 45 r Cap. V. Trinck-Geschirre von Rhinoceros-Horn auch Cocos-Nüße und dergl. [...] No: 6. / Ein becher in form eines kelches von dergleichen rhinoceros horn, worauf delphine und meerwunder geschnitten. hat einem deckel, welcher nebst dem fuße in vergüldt silber gefaßt und mit carniolen, granaten und land-steinen besezet. Ist den 19. Februarii 1682 einkommen. [Bemerkung mit schwarzer Tinte:] Stehet im ersten schranck und ist renoviret. [mit Bleistift:] ohne futteral. [mit roter Tinte:] Am 11. Juli 1832 zur rüstkammer abgegeben.
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