Leseprobe

494 | ����������� Schwerter) und das Herzogtum (Rautenkranz) Sachsen. Schließlich prangt auf einer Tafel am Treppenturm das Wappen des Rudolf von Bünau zu Liebstadt, der von 1586 bis 1615 Amtmann auf dem Sonnenstein war (Abb. 1).1 Der Pokal setzt sich aus insgesamt sechs Teilen zusammen: Fuß, Lorbeerkranz, zweiteilige Kuppa (Fels und Architektur), Deckel und Einsatz. Auf dem Fuß sitzt ein mit einem Innengewinde versehenes Rohr, das mit dem Pokal verschraubt werden kann, wobei der Lorbeerkranz gesondert aufgesteckt wird. Im Inneren des Fußes findet sich eine gewölbte Zierplatte mit ziselierten Kürbissen und Pilzen. Eine Schraubverbindung fügt den felsigen unteren Teil der Kuppa, der sich bis zum Kranz herunterzieht, mit dem oberen Part der Architektur zusammen. Der Schraubenkopf in Form einer dekorativen Blüte ist unter dem Treppenturm zu sehen. Die zusammenhängenden Dächer von Schloss und Wendelstein dienen als Deckel für den Willkomm. In dessen Innerem befindet sich ein herausnehmbarer, vergoldeter Einsatz, der das Fassungsvolumen des kompletten Schlösschens um etwa ein Drittel auf 2,5 Liter verringert (Abb. 2). Zuschreibung und Datierung Die über die Silbermarken mögliche Zuschreibung des Pokals an den Dresdner Goldschmied Georg Mond wird durch Quellen bestätigt. Vermutlich im Jahr 1605 hatte Kurfürst Christian II. den Pokal bei Mond durch den Amtmann Bünau in Auftrag gegeben, denn am 24. Januar 1606 erhielt jener den noch ausstehenden Betrag von 19 Gulden und 20 Groschen, wie aus dem erhaltenen Rechnungsbeleg hervorgeht. Zusammen mit den 292 Gulden und zwölf Groschen, die Mond bereits zuvor ausgezahlt bekommen hatte, belief sich der Gesamtpreis für das Stück damit auf 312 Gulden und elf Groschen. Wenig später scheint man sich dafür entschieden zu haben, einen silbervergoldeten Einsatz nachzuordern, ebenso wie ein Etui, das der Goldschmied bei Hans Weis (vermutlich ein Futteralmacher) fertigen ließ. Für beides erhielt er am 6. März 1606 insgesamt 63 Gulden. Ein Gulden davon entfiel auf das Etui. Provenienz und Gebrauch Der Erwerbungsvorgang macht deutlich, dass ein besonderes Augenmerk auf die Funktionalität des Pokals, seine Verwendung als Trinkgeschirr und geschützte Aufbewahrung gelegt wurde. Die Bestimmung des Gefäßes als Willkomm ist erstmals in einem Rechnungsbeleg vom März 1606 erwähnt. Es war für das Lustschlösschen im Garten der Pirnaer Festung Sonnenstein gedacht, das der Baumeister Melchior Brenner im Frühjahr und Sommer 1604 für Christian II. errichtete.2 Georg Mond formte den Pokal in Gestalt seines Bestimmungsorts und entwickelte ein detailreiches dreidimensionales Modell in vergoldetem Silber der vorbildgebenden Architektur. Mit Wappen und Inschriften versehen, verwies es auf den Bauherrn und seinen vor Ort verantwortlichen Amtmann. Christian I. und Christian II. diente der Sonnenstein nicht selten als Jagdlager, und das Lustschloss entstand vor allem für repräsentative Zwecke. Auch ist überliefert, dass Kaiser Matthias mit seinem Gefolge im Sommer 1617 auf dem Weg nach Dresden in Pirna Station machte und er selbst »in dem zum Schlosse gehörigen Garten- oder Lusthause wohnen« sollte.3 Mit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 fand diese kurze Phase der höfisch-repräsentativen Abb. 2 Vergoldeter Einsatz des Pokals Abb. 1 Wappen des Rudolf von Bünau, Nachzeichnung von Michael Wagner

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