Leseprobe

����������������� | Architektur und Gegenstände | 495 Nutzung ihr vorzeitiges Ende.4 Die Festung diente wieder vorrangig als Wehranlage. Die schwedische Armee hatte sich im Rahmen der Belagerung Pirnas im April 1639 in dem kleinen Lustschloss verschanzt und wurde durch eine Feuersbrunst zur Kapitulation gezwungen. Dieser fiel auch das Schlösschen zum Opfer. Eine Chronik von Christian Heckel aus dem Jahr 1739, die zum 100. Jahrestag der dramatischen Ereignisse erschien, zeigt einen Holzschnitt, der recht exakt den Pokal wiedergibt (Abb. 3).5 Heckel erkannte die Bedeutung der Goldschmiedearbeit für die Überlieferung des Gebäudes, das nur 35 Jahre existiert hatte und ansonsten lediglich auf einer 1628 entstandenen Federzeichnung von Wilhelm Dilich in sehr summarischer Form dargestellt und dokumentiert wurde.6 Heckel hebt in diesem Zusammenhang hervor, dass »Ihre Churfürstl. Durchl. [das Gebäude] so sehr lieb gehabt, daß Sie es in einem göldenen Becher, welcher noch biß diese Stunde auf der Vestung zum Inventario beybehalten, und allen Liebhabern der Antiquitäten zur Ergötzlichkeit beym itzigen Commendanten Herrn General= Major, Friedrich Ludewig von Grumbkau, daraus zu trincken, gezeiget wird«.7 Der Pokal war also auch noch lange nach der Zerstörung des Lustschlösschens, mindestens bis 1739, auf dem Sonnenstein im Gebrauch. Zu einem unbekannten späteren Zeitpunkt hat man ihn auf die Festung Königstein transferiert, wo er bis 1819 zum Großen Weinfass gehörte (Abb. 10, S. 27).8 Dies geht aus einem Nachtrag im Kunstkammerinventar vom August jenes Jahres hervor, der ihn zusammen mit vier silbernen und einem gläsernen Willkomm aufführt. Das gesamte Konvolut gelangte 1832 mit Auflösung der Kunstkammer in die Rüstkammer und von dort, mit zwei Ausnahmen, 1890 in das Grüne Gewölbe (siehe S. 38–40). Bedeutung Die Quellenlage ist für den Willkomm in Gestalt eines Schlösschens außergewöhnlich gut. Er gehört zu den am besten dokumentierten Goldschmiedearbeiten des Grünen Gewölbes. Seine fast lückenlos überlieferte Provenienz verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise die wechselnden Funktionen derartiger Trinkgeschirre im Lauf der Jahrhunderte. Abb. 3 Schlösschenpokal Holzschnitt aus Christian Heckel: Historische Nachricht [...], Pirna 1739, Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Signatur Hist.Sax.H.570.s

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