����������������� | Menschliche Gestalten | 537 cke, bei seinem weiblichen Pendant eine Schildkröte. Aus beiden Sockeln wächst hinter den Figuren jeweils eine Art Schmeck mit drei Blüten. Die Figuren tragen große, an gekordelten Silbergurten aufgehängte ovale Holzbutten, die mit dem Rücken verschraubt sind. Zwischen den einzelnen Dauben ist gedrehter Silberdraht angebracht, während zwei mehrfach profilierte Fassringe zusammen mit den mit Weinlaub und Fantasietieren verzierten oberen und unteren Leisten die Querverstrebungen bilden. Die Buttendeckel schmücken Weinlaub in Treibarbeit und ein angekettetes Äffchen mit einer Laute (VI 4) respektive einer Fiedel (VI 6) als Bekrönung. Beide Figuren führen ein Hündchen an einer Kette mit sich und halten einen Stab mit einem Eichhörnchen, der von Weinlaub und Trauben umrankt wird. Die Kleidung der beiden zeichnet sich durch besonderen Detailreichtum in Form von silbernen Beschlägen aus. So trägt der Mann ein Wams, dessen Säume, Schulterbesatz und Knopfleiste mit Silber verziert sind, sowie weite Pluderhosen mit Schamkapsel und eingesetzten SilberProvenienz Das Buttenträgerpaar erscheint erstmals im 1659 verfassten Inventar des kurfürstlichen Lust- und Berghauses Hoflößnitz, einem repräsentativen Bau, der sich nahe Dresden an den bei Radebeul gelegenen Weinhängen befindet.3 Dort wurde es zusammen mit anderen Trinkspielen und weiteren drei hölzernen Buttenträgerpaaren in einem schwarzen Schrank im kurfürstlichen Schlafgemach im Obergeschoss aufbewahrt. Auch im Inventar von 1672 ist das Paar dort verzeichnet. Im Inventar von 1717 bis 1719 wird zwar der schwarze, verschlossene Schrank mit den gläsernen Tafeln im Schlafzimmer des Kurfürsten genannt, von dem reichen Innenleben, das durch die Glastür sichtbar gewesen sein müsste, gibt es jedoch keinen Nachweis.4 Das Buttenpaar kam dann wohl zusammen mit einem Trinkspiel in Gestalt eines Bacchus (siehe Kat.-Nr. 101) vor 1704 ins Grüne Gewölbe, wo es im entsprechenden Teilinventar von 1704 aufgeführt ist (siehe S. 30 f.). Zwei weitere in der Hoflößnitz aufbewahrten Winzerpaare gelangten ebenfalls in das Grüne Gewölbe (Abb. 1 und 2). Die nur sehr sparsam mit silbernen Beschlägen versehenen Statuetten tauchen ebenfalls im Inventar des Eckkabinetts von 1733, gleich im Anschluss an das vorliegende Winzerduo, auf.5 Um den Eindruck von kostbarem Ebenholz zu erwecken, wurden die vermutlich aus Lindenholz geschnitzten Figuren mit einer dunklen Lackfarbe überzogen. Im Gegensatz zu dem vorliegenden Paar besitzen die dunklen Winzerstatuetten authentische Werkzeuge und Gerätschaften für den Weinbau.6 Eines der drei Paare aus der Hoflößnitz verschenkte Johann Georg II. 1662 an seine Schwester Magdalena Sibylla, Herzogin zu Sachsen-AltenAbb. 3 Paar Buttenträger deutsch, um 1620, Butten später in unedlem Metall ergänzt Holz, Silber, H 23,6 cm (1977/1) und 22,5 cm (1977/2) SKD, Grünes Gewölbe, Inv.-Nrn. 1977/1 (rechts) und 1977/2 (links) streifen und silberne Kniebänder mit Blumenschmuck. Die Schürze der Frau mit Brustlatz (oder einer Art Mieder) ist mit punzierten Blattranken und fantasievollen Tiermasken sowie einem Saum aus stilisierten Weinbeeren dekoriert. Beide tragen Mühlsteinkrägen und breitkrempige Hüte mit Federn, die Winzerin darunter ein Kopftuch. Der Winzer führt eine Tasche mit sich, deren Innenleben aus zwei (ursprünglich drei) Würfeln besteht, während seine Partnerin mit einem Korb ausgestattet ist, aus dem eine Henne und ein Hahn herausschauen. Zusätzlich weist die männliche Figur einen Banddegen und Besteck in einer Scheide1 auf und trägt eine an seinem Stab befestigte Kette mit einem kleinen Gefäß, während die weibliche Figur einen deutlich größeren Gegenstand an der Kette hängen hat.2 Aus dem reichen Silberbesatz stechen die einzelnen vergoldeten Partien wirkungsvoll hervor. So sind die beiden Behältnisse, die Stäbe, die Schuhe, die Hutfedern, das Hutband, die beiden Affen auf der Butte und das Behältnis an der Kette gewissermaßen als goldene Akzente eingesetzt.
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